Medien : WM-Warnungen

Eine ARD-Reportage wirft Fragen zur Sicherheit beim Ereignis des Jahres auf

Olaf S,ermeyer

Die Erwartungen vor dem größten anzunehmenden Ernstfall bei einer Fußballweltmeisterschaft sind unterschiedlich: Der eine, ein anonymisierter, gewaltsuchender Hooligan eines Berliner Bundesligaklubs, hofft auf „interessante“ Begegnungen mit den „Polacken“: „Wenn die kommen, kommt die Crème de la Crème der Szene“. Der andere, ein hilfloser uniformierter Statist bei einer total missglückten Katastrophenübung, hofft auf eine bessere Leistung der Großstadtfeuerwehr unter realen Bedingungen. Und wieder ein anderer, ein für die Luftaufklärung im Himmel über Berlin zuständiger Nato-Offizier, hofft, dass keine Terrorflieger die Spiele und seinen Dienst stören, und darauf, dass die Kollegen am Boden bei ihren Funkdurchsagen in Richtung seines fernsehlosen Awacs-Flugzeugs kein WM-Tor vergessen.

Die beiden RBB-Autoren Jo Goll und Norbert Siegmund lassen in ihrer Dokumentation alle drei und noch ein paar mehr Protagonisten zu Wort kommen. Dabei entsteht ein Patchwork aus starken Tönen und – leider zumeist inszenierten – starken Bildern, bei denen immer dann, wenn Uniformen ins Bild kommen, die Authentizität absackt. Es gelingt dem Film allerdings, die Sicherheitslage in den Wochen vor der WM weitestgehend abzuklären: Antworten zu Geiselnahme, Gasalarm, Hooligan-Gewalt-Exzess, einstürzende Leinwand beim so genannten „Public Viewing“ (der RBB-Zuschauer kennt einige Bilder aus der aktuellen Berichterstattung).

Die Autoren haben alles beleuchtet und dabei auf die gewohnten Alibitöne aus so genannten Expertenmündern verzichtet. Dankeschön! Kein Innenminister, der über die gute deutsch-polnische Zusammenarbeit heuchelt, wenn es um reisende Fußballrandalierer geht. Kein Gewaltforscher, kein Soziologe und auch kein Warentester. Der Film kommt ohne diese berechenbaren Belege aus und liefert im Ergebnis zusätzlichen Nachrichtenwert. Wenige dürften wissen, dass die Berliner Polizei den einschlägig bekannten Fußballrowdys (Kategorie-C-Hooligans) vor den Spielen mittels richterlichem Beschluss einen vorbeugenden DNA-Test abverlangt. Wattestäbchen in den Mund, ohne Wenn und Aber.

„Die Weltmeisterschaft der Sicherheit“ zeichnet kein Szenario des Schreckens, ist nicht demagogisch – aber warnend. Die ARD zeigt den Film zum richtigen Zeitpunkt, weil sich die Fußballweltmeisterschaft dem Land und seiner Hauptstadt so unaufhaltbar nähert wie ein Meteorit.

„Die Weltmeisterschaft der Sicherheit“, Mittwoch, 23 Uhr 30, ARD

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