Medien : WMP Eurocom AG: Die Bellheims der Medienbranche

Ulrike Simon

Zwei Meister der Seilschaften kündigten dieser Tage ihren Zusammenschluss an. Wie gestern gemeldet, fusionieren WMP, die von Hans-Erich Bilges gegründete Beratungsfirma für Wirtschaft, Medien und Politik, und Hans-Hermann Tiedjes TV Media zur WMP Eurocom AG, um von Berlin aus gemeinsam Konzerne, Organisationen, Verbände und Regierungen in Fragen strategischer Kommunikation zu beraten. Weder Bilges noch Tiedje - die beiden kennen sich seit zwanzig Jahren - stehen im Ruf, Männer der leisen Töne zu sein. Bilges, zuletzt von der Expo geschiedener Berater, war "Bild"-Vizechef und geschäftsführender Redakteur der "Bild"-Gruppe, bevor er zu Gruner + Jahr wechselte und 1998 die WMP gründete. Tiedje, wortgewaltiger Journalist alter Schule, war Chef von "Bild" und später von "Tango" (dem Illustriertenflopp von G + J), bevor er Ende 1996 im bayerischen Ebersberg TV Media gründete, vergeblich mit NDR-Intendant Jobst Plog die Lotto-Show in die ARD bringen wollte, Helmut Kohl beim letzten Wahlkampf beriet und Volker Rühe bei der Wahl in Schleswig-Holstein unterstützte. Bilges ist in diesem Zweiergespann Verkäufer und Akquisiteur. Während Tiedje, von Grund auf Journalist geblieben, derjenige ist, der über die besseren "connections" in Verlage, Rundfunk und TV verfügt, im Zweifelsfall die Krawatte über die linke Schulter wirft, die Ärmel hochkrempelt und sich an die Arbeit macht. "Ich hatte zwei Möglichkeiten: entweder mich da unten in Ebersberg einzumauern oder hierher nach Berlin zu kommen, wo die Musik spielt", lautet Tiedjes Grund, in Berlin künftig nicht nur eine Wohnung, sondern auch den Firmensitz zu haben. An der neuen WMP Eurocom, mit der er sich nicht mehr ums Tagesgeschäft, sondern vornehmlich um langfristige Projekte kümmern will, hält er 50 Prozent. Im Gegenzug wurde TV Media, bei der er neben Imme Kusztrich Geschäftsführer bleibt, hundertprozentige Tochter von WMP Eurocom - und laut Tiedje "die Perle des Unternehmens".

Nach der Unternehmensbewertung durch Ernst & Young und der Fusion steht jetzt der Umzug in die neuen 700 qm-Räumlichkeiten in der Alten Jakobstraße in Kreuzberg an. Danach wollen die beiden wieder durchstarten, ihre (wie sie sagen) "an Grenzen gestoßenen Kräfte" ausspielen. Dabei setzen die beiden auf eine ganze Schar von Häuptlingen, die "viel zu aktiv sind, um mit 60 aufzuhören", wie es der 55-jährige Bilges formuliert. Gern zitiert er Unternehmensberater und WMP Eurocom-Anteilseigner (fünf Prozent) Roland Berger mit den Worten, WMP sei eine "Bellheim-Organisation auf hohem Niveau". Neben den Vorständen und Anteilseignern Tiedje, Bilges und Ludger Staby (Ex-Reemtsma-Vorstandschef) sitzen im Aufsichtsrat unter anderem Roland Berger, Gründungsfinanzier Ulf Rittinghaus (Sachsenring-Vorstandschef) und seit kurzem Ulrich Marseille (Marseille-Kliniken). Aufsichtsratschef ist Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Mit ihnen und weiteren externen Beratern wie Klaus Naumann, Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr, oder Ex-ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser will WMP Eurocom im (laut Bilges von Natur aus gestörten) Beziehungsdreieck Wirtschaft, Politik, Medien Kommunikationskonzepte entwickeln. Zum Beispiel für EU-Beitrittskandidat Türkei. Oder Energiekonzerne beim Thema Atomaustieg. Entsprechend ist auch ein Sitz in Brüssel geplant. Vorerst geht es darum, die beiden Beine des nun doppelt so großen Unternehmens zu stabilisieren und - wie es WMP schon bei der Gründung geplant hatte - nach Tiedjes Frischblutzufuhr doch noch an die Börse zu gehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar