Medien : Wo die grünen Kerle wohnen

„Inkplosion“, ein Internet- sowie Print-Magazin, bietet Berliner Comiczeichnern eine billige Plattform

Lars von Törne

Aggressive Miniroboter, Amazonen und ein grünhäutiger Superheld, der seine Kräfte regelmäßigem Vollmilchkonsum verdankt. Das ist das Personal des neuen „Versus“-Comics, den die Berliner Alexander Gellner und Christian Nauck gezeichnet haben. Eine Action-Geschichte, bei der am Ende das Universum verschwindet. Die virtuelle Zeitschrift „Inkplosion“ hat in den vergangenen drei Jahren viele Folgen der Reihe veröffentlicht. Inzwischen liegt sie auch als gedrucktes Heft vor – vielversprechendes Beispiel für die wachsende Vernetzung zwischen klassischen Medien und Internet auch in der Comicszene.

Normalerweise sind Comics wegen der hohen Produktionskosten ein teures Vergnügen. „Inkplosion“ hingegen kostet die Leser außer den Internetgebühren nichts, und auch die Herausgeber zahlen nur ein paar Euro für den Netzauftritt. „Wir wollen Leute für Comics begeistern, die nie in einen Comicladen gehen würden“, sagt Michael Vogt, einer der Gründer und Herausgeber des Magazins. Und denjenigen, die schon Comics lesen, will der 37-jährige Berliner die Vielfalt der Bilderwelt präsentieren und ihnen zeigen, dass es mehr zu entdecken gibt als Spiderman, Micky Maus oder japanische Mangas. Für dieses Engagement wurden Vogt und seine Mitstreiter kürzlich auch vom Interessenverband Comic ausgezeichnet.

„Inkplosion“ besticht durch eine große Bandbreite von Stilen. Dazu gehören neben Action-Comics, erotisch angehauchten Frauenzeichnungen und Witzbildern auch kunstvolle Schwarz-Weiß-Bildgeschichten, die man in kommerziellen Comics kaum finden würde. Wie die autobiographisch inspirierte Story „Revierflüchter“, deren letzte Folge in der aktuellen Ausgabe veröffentlicht ist. Darin erzählt Zeichner Rainer Jentsch in kunstvollen Bildern die anrührende Geschichte eines offenbar psychisch kranken Jungen, der ziellos durch Berlin spaziert.

Diese Mischung hat sich inzwischen einen festen Leserkreis erschlossen: Rund 1000 „reale Besucher“ zählt die Website pro Woche, also Leser, die das 28-seitige zweimonatlich erscheinende Heft am Bildschirm durchblättern oder herunterladen. Das sind pro Ausgabe 8000 Leser – für eine unabhängige Comicpublikation angesichts der überschaubaren Lesergemeinde ein großer Erfolg.

Die bislang rund 50 Zeichner, die in „Inkplosion“ veröffentlicht haben, sind in der Regel längst über die Anfängerphase hinaus, haben aber den großen Durchbruch noch vor sich. Wie die beiden Mittzwanziger Gellner und Nauck alias Mana, die den Versus-Zyklus geschrieben und gezeichnet haben.

Vom Comiczeichnen leben können die Künstler in der Regel nicht. Die meisten verdienen ihr Geld mit Illustrationen oder Werbezeichnungen. Herausgeber Vogt sammelte eine Zeit lang Erfahrungen als kommerzieller Zeichner für die Zeitschriften „Mad“, „Zack“ und „Gespenster-Geschichten“, bevor er sich als Grafikdesigner mit der Firma mquadrat selbstständig machte und jetzt nebenher „Inkplosion“ als Hobby zusammen mit Freunden betreibt.

So ganz können sich die „Inkplosion“-Macher allerdings doch nicht vom klassischen Comic-Heft lossagen. Bereits drei Mal veröffentlichten sie Geschichten aus dem Magazin als gedrucktes Heft. Voriges Jahr erschien „Los 7 Mariachis“, ein von Michael Vogt und zwei anderen Zeichnern geschaffenes Road Comic mit Anleihen bei Quentin Tarantino. Und vor kurzem kam besagtes „Versus“ heraus, bei dem Herausgeber Vogt für das Tuschen der Zeichnungen zuständig war. Der Grund für das Festhalten am gedruckten Heft ist ein emotionaler, sagt Vogt: „Ich lese Comics einfach lieber auf Papier.“

www.inkplosion.de

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