Medien : Wo Kreativität Grenzen kennt

Vor der Europawahl tobt die Wahlschlacht

Reinhard Siemes

Wenn die Bildqualität etwa schlechter und schwarzweiß wäre, könnten die Fernsehzuschauer meinen, die Spots zur Europawahl seien im Jahr 1964 gedreht. Die CDU zeigt vermeintliche Bürger, die in gestelztem Reklamedeutsch sagen, das alles besser werden muss. Und in den SPD-Spots will das Wahlvolk, dass alles bleibt, wie es ist. Immerhin, die Wahlmanager der FDP haben sich bemüht, so etwas wie eine Geschichte zu erzählen: Ein Mensch will sich selbstständig machen, er will arbeiten, aber die Bürokratie sagt nein (die deutsche? die europäische?).

Ansonsten präsentieren sich die Parteien mit Flachsprüchen und Kalauern der schmerzenden Art. Die Grünen rufen auf ihren Plakaten den Wählern zu: „Du entscheidest!“ Wahlweise für ein friedliches Europa oder ein solches ohne Gentechnik. Die CDU will, dass Deutschland wieder oben spielt und zeigt – zum Beispiel – einen schwebenden Basketball, zu dem mehrere Spieler hoch steigen (oder auch nicht). Die CSU hat einen Maler engagiert, um sagen zu können: „Farbe bekennen für Arbeit und Wachstum“. Und die PDS spricht von Europa-Gerechtigkeit, was immer damit gemeint sein mag. Noch tiefer in die Klamottenkiste greifen die Liberalen: „Wir können Europa besser“ und „Europa auf Vorderfrau bringen“ steht neben der Spitzenkandidatin.

Dagegen liest sich die Information zu den SPD-Plakaten wie eine werbliche Offenbarung: „Die Motive fokussieren auf unübersehbare Weise zwei zentrale Begriffe, die die Politik der SPD und der Bundesregierung Deutschland und Europa charakterisieren.“ Wunderbar, aber was kann das sein? Land der Einwanderer? Deutsches Bier von Estland bis Zypern? Das ist erstens keine politische Botschaft und zweitens zu profan. „Europa Friedensmacht“ lautet die Botschaft. Damit das synthetische Wortgebilde an den Wählern nicht vorbeirauscht, wird ein nationaler Bezug nachgelegt: „Im deutschen Interesse.“ Armes Europa.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben