Medien : Wo Wilmersdorf mörderisch ist Ein Berliner „Tatort“ im Milieu der Insolvenz

Barbara Nolte

Berlin, Stadtautobahn. Zwei Autofahrer werden von Backsteinen erschlagen, die von einer Brücke auf sie geworfen worden sind.

Der neue Fall der Ermittler Till Ritter und Felix Stark beginnt am öden Rand von Wilmersdorf, dort, wo Berlin aussieht wie zwischen Duisburg und Mühlheim. Und das ist schon mal vielversprechend. Oft scheinen Tourismus-Büros die „Tatort“-Schauplätze auszusuchen. In der Woche zuvor zum Beispiel, als ein Orchideen-Züchter auf der Bodensee-Insel Mainau ermordet wurde. Wahrlich eine Postkartenkulisse – nur kam die Handlung nicht recht voran.

Der neue Berlin-„Tatort“ ist Brandenburger-Tor-frei. Typisch für diese Stadt ohne Geld, ohne Arbeit, ist allein die Branche, aus der die beiden Ermordeten kamen: Sie waren Insolvenzverwalter. Der Verdacht fällt schnell auf Arbeiter einer Spedition, die von den beiden gerade aufgelöst werden sollte. Aber in Anlehnung an den Spruch, dass der Mörder immer der Gärtner ist, gilt für den „Tatort“, dass der Mörder nie der erste Verdächtige ist. Ritter und Stark müssen weitersuchen.

Überhaupt folgt die neue Folge dem klassischen Krimi-Muster. Auch das ist nicht schlecht, denn die „Tatorte“, die besonders originell und gesellschaftskritisch sein wollen, geraten meistens langweilig. Eigentlich darf man aber zurzeit gar nicht Kritisches über die „Tatort“-Reihe sagen. Die Quoten sind einfach zu gut. Um die acht Millionen schalten fast jeden Sonntag ein. Im deutschen Fernsehen, in dem in diesem Winter so vieles floppte, ist der ARD-Sonntagskrimi eine Bastion.

Auch der Berliner „Tatort“ hat sich endgültig erholt. Ende der 90er hatte er mit dem von Winfried Glatzeder gespielten Kommissar seinen Tiefpunkt. Ein Film war so missraten, dass er montags um 23 Uhr im Programm versteckt wurde.

Der neue Fall von Ritter und Stark wird wieder spannend, auch bilden die beiden Kommissare ein gutes Gespann. Besonders sympathisch ist Boris Aljinovic als allein erziehender Vater Felix Stark, der diesmal neben dem Autobahnmörder ein Kindermädchen für seine Sohn suchen muss.

„Tatort: Todesbrücke“, Sonntag, 20 Uhr 15, ARD

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