''Wok-WM'' : Gestern Panne, heute Pfanne

Schleichwerbung wird Dauerwerbesendung: Stefan Raab und ProSieben retten nach dem Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts die "Wok-WM".

Joachim Huber
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Siegertypen. Stefan Raab (links) feiert mit Georg Hackl dessen „Wok-WM“-Titel 2008. Am 7. März findet der nächste Wettbewerb...

Das Ziel von ProSieben und Stefan Raab ist weit gesteckt. Spätestens 2022 soll die „Wok-WM“ olympische Disziplin sein. Stefan Raab wäre dann 56 und könnte in der Eisbahn „das Comeback des Jahres feiern“, wie ProSieben-Sprecher Michael Ostermeier dem Tagesspiegel sagte. Was in 13 Jahren Winter-Olympia bereichern soll, darf 2009 in Winterberg/Hochsauerland nicht ausfallen. Also musste sich ProSieben etwas einfallen lassen, um die Finanzierung der sehr kostspieligen Fernsehstunden am 7. März von 20 Uhr 15 bis 0 Uhr 15 zu sichern. Nicht massive Spot-Werbung ist der Schlüssel zum Erfolg, sondern die Kennzeichnung der „TV total Wok-WM 2009“ als „gefährlichster Dauerwerbesendung der Welt“. Der Privatsender will damit ein Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin, wonach die Ausstrahlungen der „Wok-WM“ in den Jahren 2006 und 2007 massive und unzulässige Schleichwerbung boten, zu seinen Gunsten wenden. „Die Kennzeichnung als Dauerwerbesendung gibt ProSieben Planungssicherheit“, sagte ProSieben-Chefjurist Conrad Albert. Mit diesem Schritt sei die Ausstrahlung des „Großereignisses“ sichergestellt. Anders gesagt: Die „Wok-WM“, deren Live-Übertragung allein 25 Kamerateams braucht, will nicht nur Werber und Sponsoren anlocken, sie kann nur mit deren Engagement stattfinden. Der Preis, dafür ständig den Banner „Dauerwerbesendung“ auf dem Bildschirm platzieren zu müssen, nimmt ProSieben gerne in Kauf.

Der Sender behalte sich allerdings weitere rechtliche Schritte gegen das Berliner Urteil vor, hieß es. In der Entscheidung hatte das Verwaltungsgericht einen Beanstandungs- und Untersagungsbescheid der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) bestätigt. Gegen das angekündigte Etikett „Dauerwerbesendung“ sei nichts einzuwenden, sagte eine MABB-Sprecherin und verwies auf das frühere „Glücksrad“ bei Sat 1, das jahrelang mit diesem Logo lief.

Laut Rundfunkstaatsvertrag sind Dauerwerbesendungen zulässig, wenn „der Werbecharakter erkennbar im Vordergrund steht und die Werbung einen wesentlichen Bestandteil der Sendung darstellt“. Die Sendung muss zu Beginn als Dauerwerbesendung angekündigt und während ihres gesamten Verlaufs so gekennzeichnet werden. Durch die lange Dauer der „Wok-WM“ reduziert sich am 7. März für ProSieben die Möglichkeit, reguläre Werbeblöcke auszustrahlen. Werbung darf maximal zwölf Minuten pro Stunde pro Sendetag ausmachen. Nach Angaben von ProSieben-Sprecher Ostermeier blieben dem Sender am 7. März 48 Werbeminuten außerhalb der „Wok-WM“ übrig. Mögliche Lücken will man mit Programm füllen...

Stefan Raab kommentierte das neue Kennzeichen laut Sendermitteilung mit den Worten: „Im Eiskanal und vor Gericht sind wir alle in Gottes Hand. Die Erfolgsgeschichte des Wok-Sports muss weitergehen.“ Bei der Chinapfannen-WM sausen Prominente mit bis zu 100 Stundenkilometer eine Eisbahn hinunter. Rodelteams werden dabei nach Markenartikeln benannt und von deren Herstellern gesponsert. In der Konsequenz führt dies zu einer hohen Präsenz von Werbelogos und Markennamen im Fernsehbild. Amtierender Champion im Einer-Wok ist der ehemalige Goldrodler Georg Hackl.

Bleibt eine letzte Frage: Wenn die „Wok-WM“ Dauerwerbung ist, was ist dann die Fußball-Bundesliga?

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