„Workingman’s Death“ : Blut, Stahl, Schlamm

Bilder der Schufterei: „Workingman’s Death“

Thomas Gehringer

Niemand redet heute mehr von der Arbeiterklasse. Körperlich anstrengende Arbeit wurde weitgehend wegrationalisiert und mit ihr der Proletarier. Aber es gibt sie noch, die Schufterei in Bergwerken und Industriehallen, die Plackerei unter unfassbaren Arbeitsbedingungen. Der Österreicher Michael Glawogger („Megacities“) hat sich auf der Welt umgesehen, und die Bilder, die er für seinen 2007 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichneten Dokumentarfilm „Workingman’s Death“ gesammelt hat, rauben einem teilweise den Atem.

Wir kriechen als Zuschauer mit ukrainischen Kohlegräbern in niedrige Schächte, hasten mit indonesischen Schwefelträgern an Touristen vorbei den Vulkanabhang herunter, waten auf einem nigerianischen Schlachtplatz in Schlamm und Blut und balancieren mit pakistanischen Schweißern auf den Überresten riesiger Tanker, die am Strand in ihre Einzelteile zerlegt werden. Eine zweistündige Filmreise, intensiv, faszinierend und zugleich erschreckend, keine Agitation gegen Ausbeutung, keine faktenreiche Dokumentation, sondern ein künstlerisch-sinnlicher Versuch, den Wandel und die Vielfalt körperlicher Arbeit zu erfassen. Die exzellente Kamera von Wolfgang Thaler, der auch beim Deutschen Filmpreis 2008 mit Pepe Danquarts Extremkletterer-Film „Am Limit“ nominiert war, die Tongestaltung und die Musik machen den Film zu einem cineastischen Erlebnis, das dank der Beteiligung von Arte nun auch im Fernsehen eine Chance bekommt.

Michael Glawogger hat den Film in fünf Kapitel und einen Epilog unterteilt. Er spannt einen Bogen von den „Helden“ der Vergangenheit, so der Titel des ersten Kapitels, bis zur „Zukunft“in Kapitel fünf, von der Idealisierung der Arbeiter in der Sowjetunion bis zum gegenwärtigen Aufschwung in China. Doch das Ende ist schon nahe, zu besichtigen in Duisburg, wo das ehemalige Stahlwerk Meiderich zum künstlerisch wertvollen Freizeitpark umgewidmet wurde.

„Workingman’s Death“, Arte, 21 Uhr.

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