Medien : Würgemale am Hals

Mariele Millowitsch über ihre erste Rolle als RTL-Kommissarin

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Mona Seiler ist nicht gerade die einzige TVKommissarin. Was unterscheidet sie von ihren zahlreichen Kolleginnen?

Jede Figur hat ihre Eigenheiten und ihre besonderen Konflikte. Mona Seiler muss neben den Mordfällen mit dem Mobbing durch ihre Arbeitskollegen und mit ihrem halbseidenen Kindsvater fertig werden.

Ist diese Flut von weiblichen Kommissar-Figuren nicht ein Handicap?

Das empfinde ich nicht so. Ich habe aber auch Scheuklappen angezogen und mich nicht groß vorbereitet, indem ich mir die anderen Kolleginnen angeschaut habe. Die Mariele ist die Mariele, und die anderen sind auch eigenständige Persönlichkeiten.

Früher waren Kommissarinnen die Ausnahme. Kann es sein, dass es die Sender nun wieder übertreiben?

Solange die Leute es sehen mögen, ist es in Ordnung. Diese Frauen stammen ja nicht aus einem Luxus-Umfeld. Die stehen mitten im Leben, und bei denen funktioniert zu Hause auch nicht alles. Die Möglichkeit für die Zuschauerinnen, sich wieder zu finden, ist relativ hoch. Und diese Alltagskonflikte machen es spannend, das zu spielen. Sicher dürfen die Sender den Bogen nicht überspannen. Sonst langt’s irgendwann mit den Kommissarinnen.

Aber Ihnen hat’s noch nicht gelangt?

Ich fand das Buch gut. In dem Roman von Christa von Bernuth war mir die Mona Seiler noch ein bisschen zu passiv, aber das wurde in dem Drehbuch geändert.

Wie kommt es, dass gerade Frauen in Ermittlerrollen so gut ankommen?

Weil man das Emotionale immer noch eher den Frauen zutraut. Sie hören die Zwischentöne und schauen anders hin. Die Männer sind die Macher, die gerne analytisch von A nach B gehen. Eine Frau nimmt lieber mal einen Umweg von C nach B.

Es gibt nicht nur mehr Kommissarinnen, sondern auch mehr Autorinnen und Regisseurinnen als früher. Ist das ein Anzeichen von mehr Gleichberechtigung in der Branche?

Frauen haben mittlerweile ein anderes Selbstbewusstsein entwickelt und stellen sich auch mal vorne aufs Schiff in den Wind. Niederlagen einzustecken, zu sagen: Ich hab’ Mist gebaut, aber ich mach’ weiter, das mussten die Frauen erst lernen. Männer sind auch schneller dabei, einen Schuldigen zu finden, wenn etwas nicht funktioniert. Frauen sagen: Um Gottes willen, ich hab’s versemmelt und bin eh zu blöd. Diese Rollenverteilung – die Männer sind die Macher, und die Frauen bleiben zu Hause – hat mir auch meine Mutter noch vorgelebt. Aus der Nummer muss man erst mal raus, und frau fühlt sich nicht immer wohl dabei. Aber ich glaube schon, dass sich da viele emanzipiert haben.

Sie sind bekannt durch komische Rollen, spielen eher quirlige, temperamentvolle Personen. Was bedeutet diese Krimirolle für Sie und Ihre Karriere?

Was es für meine Karriere bedeutet, weiß ich nicht. Für mich war es spannend, weil ich gerade „Nikola“ zu Ende gedreht hatte. Ich musste mir angewöhnen, langsamer zu sprechen, diese Frau von allem Tempo und von aller Komik zu befreien. Mona Seiler braucht ihre Zeit, aber ich bin nicht jemand, der sich Zeit lässt, ich bin eher wie „Nikola“. Diese Umstellung ist mir nicht leicht gefallen.

Sie mögen es bei Dreharbeiten gerne auch mal handfest?

Ja, das macht mir Spaß. Ich weiß gar nicht, wo das herkommt. Ich habe mich schon als Kind gerne aus Spaß gekloppt. Ich habe den Hang zur Körperlichkeit und finde es klasse, wenn ich das einsetzen kann.

Sie trugen bei den Dreharbeiten Würgemale am Hals davon.

Wenn man mehrfach gewürgt wird mit einem Drahtseil, dann kann man noch so aufpassen. Wo gehobelt wird, da fallen Späne.

Sie sind zur selben Zeit auch bei Sat 1 in einer Wiederholung der Komödie „Zwei vom Blitz getroffen“ zu sehen. Wie finden Sie denn das?

Das ärgert mich. Sat 1 hatte das Programm schon stehen und hat es noch mal geändert, als RTL den Sendetermin von „Die Stimmen“ bekannt gab. Quoten hin, Quoten her, das ist mau.

Das Gespräch führte Thomas Gehringer.

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