Youtube : Der Ego-Shooter

"Killerspiele“ im Fernsehen: Via Youtube kritisiert ein Student schlecht recherchierte Magazin-Beiträge. Und das ist oft auch bitter nötig.

Torben Waleczek
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Matthias Dittmayer kritisiert TV-Beiträge zu "Killerspielen". -Foto: tsp

Berlin Die Politmagazine im öffentlich-rechtlichen Fernsehen stehen in der Kritik. „Panorama“ und „Kontraste“, „Hart, aber fair“ und „Frontal 21“ – sie alle würden schlampig recherchieren und unausgegorene Halbwahrheiten verbreiten. Das behauptet jedenfalls ein 21-jähriger Jurastudent aus Bremen in einem Filmchen auf dem Internetportal Youtube. Matthias Dittmayer ist einer von zahllosen Nörglern, die im Netz ungefragt ihre Meinung herausposaunen, könnte man meinen. Einer, den die Programmmacher bei ARD und ZDF wohl ohnehin kaum zur Kenntnis nehmen. Wäre da nicht die Zahl 636 000. So oft wurde Dittmayers Film schon abgerufen. Und darauf reagieren jetzt auch die Verantwortlichen bei den Sendern – mit zunehmender Nervosität.

In seinem Dokuvideo befasst sich Matthias Dittmayer mit Fernsehbeiträgen über die so genannten „Killerspiele“, die – so der Duktus in den TV-Magazinen – junge Computerspieler zu gefährlichen Gewalttätern machen können. Ob das so ist oder nicht, darüber fällt Dittmayer, selbst passionierter Computerspieler, gar kein eindeutiges Urteil. Was ihn stört, sind die Fehler im Detail. In den Magazinbeiträgen werden für die Spiele ungenaue Altersfreigaben und falsche Veröffentlichungstermine angegeben, sagt Matthias Dittmayer in seinem Video. Inhaltlich werde einiges überdramatisiert. So fließe in dem Spiel „Counterstrike“ zwar Blut, aber es seien keine zerfetzten Leichen zu sehen, wie in einem Beitrag der Sendung „Hart, aber fair“ behauptet wurde.

Derlei Einwände mag man kleinkariert finden. Seine Kritiker halten ihn darum für einen „Krümelkacker“. Und genau genommen stimme das auch, sagt Matthias Dittmayer. Aber richtige Fakten seien die Grundlage für eine sachliche Diskussion. Am Ende seiner Recherchen kommt der Amateurregisseur zu dem Ergebnis: „Die öffentlich-rechtlichen Sender sind für mich als seriöse Informationsquelle gestorben.“

Solch markige Thesen und die hohen Klickzahlen für sein Video bescheren dem Jurastudenten das Interesse der Medien. Über ein Interview mit Matthias Dittmayer auf jetzt.de hat man sich beim NDR so sehr geärgert, dass Ex-Intendant Jobst Plog eine Gegendarstellung forciert hat. Und Claus Richter, Redaktionsleiter von „Frontal 21“, nimmt auf der ZDF- Website ausführlich Stellung zu Dittmayers Vorwürfen.

So erreicht die Kritik eines Freizeitjournalisten die Chefetagen bei den Öffentlich-Rechtlichen. Doch ist Matthias Dittmayer wirklich der Einzelgänger mit übergroßem Selbstbewusstsein – ein Ego- Shooter in Sachen Graswurzeljournalismus? In der Rolle des mutigen Bürgerreporters, der den Großkopferten und Etablierten planmäßig Paroli bietet, sieht sich Matthias Dittmayer nicht, sagt er. Eigentlich habe er gar nicht an die Öffentlichkeit gehen wollen. Auch die mediale Aufmerksamkeit ist Dittmayers Sache nicht. Die Idee mit dem Video kam ihm aus einer Laune heraus, als die Sender seine schriftlichen Beschwerden ignorierten oder nur abweisend reagierten. Als „letztes Druckmittel“ habe er dann seinen Film produziert. Hätte er die starke Resonanz vorhersehen können, wäre das Video etwas professioneller ausgefallen, sagt Matthias Dittmayer. Trotzdem steht er zu dem Film: „Ich bin ein 21-jähriger Student, und die sind das öffentlich-rechtliche Fernsehen.“ Von wem man eher Qualitätsjournalismus erwarten dürfe, das sei doch ganz klar, sagt der Bremer.

Sein neues Video ist auch schon fertig, „Killerspiele in der Presse“ lautet der Titel. Diesmal nimmt Matthias Dittmayer die Printmedien und ihre Berichterstattung über Computerspiele ins Visier. Ausgerechnet die Printmedien – die ihn doch gerade als Ikone des Bürgerjournalismus entdeckt haben. 

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