Youtube-Protest : Revolutionsfeuerchen

Anonymous-Hacker im Dauerclinch mit der Gema: In einem Youtube-Video werden neue Attacken angekündigt.

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Gema-Chef Harald Heker wünscht sich einen neuen Vertag mit Youtube.
Gema-Chef Harald Heker wünscht sich einen neuen Vertag mit Youtube.Foto: dapd

Es wäre ein Novum: Die Musikrechtegesellschaft Gema überlegt, ob sie wegen der Hackerattacken Ende vergangener Woche diesmal auf eine Strafanzeige verzichten will, sagte deren Sprecher Peter Hempel dem Tagesspiegel. Die Aktivisten des Hacker-Kollektivs Anonymous hatten in der Nacht zum Freitag erneut die Webseite der Gema attackiert. Wie groß der wirtschaftliche Schaden sei, lasse sich zwar nicht beziffern, fest stehe aber, dass in der Zeit der Angriffe keine neue Veranstaltungen gemeldet und von den Veranstaltern keine Playlists hochgeladen werden konnten. „Die Mitglieder konnten in dieser Zeit zudem keine neue Werke anmelden oder Einblick in ihre Konten nehmen“, sagte der Sprecher weiter.

Hintergrund der Attacken auf die Gema-Homepage ist der seit Jahren laufende Gerichtsstreit zwischen der Musikrechtegesellschaft und der Internetplattform Youtube über die Löschung urheberrechtlich geschützter Musikvideos. Im April hatte das Hamburger Landgericht zwar ein Urteil gefällt, das allerdings keine letzte Klarheit brachte. Youtube muss nun mehr für den Urheberrechtsschutz tun, die Gema wurde jedoch verpflichtet, auf jeden Verstoß hinzuweisen. Beide Parteien sind inzwischen in Berufung gegangen.

Bei den Hackern von Anonymous handelt es sich um einen losen Zusammenschluss, eine feste Organisationsstruktur gibt es nicht. Die Aktivisten kämpfen für Freiheit im Internet und gegen Zensur. Konkreter Auslöser für die neuerlichen Attacken auf die Gema waren die Hausdurchsuchungen bei 106 angeblichen Anonymous-Aktivisten Mitte vergangener Woche. Sie sollen im Dezember 2010 die Gema-Seite angegriffen haben. Die Gema hatte seinerzeit die IP-Adressen der Angreifer protokolliert und ans BKA übermittelt.

„Das Kollektiv belächelt den Versuch, Aktivisten unseres Schlages einzuschüchtern“, heißt es in einem Youtube-Video, das Anonymous-Aktivisten am Sonntag hochgeladen haben. „Wir bedanken uns bei den Behörden, Benzin in das Feuer der Revolution gegossen zu haben“. Zugleich wurden neue Attacken angekündigt, um für frei zugängliche Informationen im Netz zu kämpfen. „Manche mögt ihr verfolgen und sogar inhaftieren. Aber ihr werdet uns niemals alle kriegen.“

Der Dauerstreit mit Youtube ist wegen des Einnahmeverlusts besonders für die Gema-Mitglieder auf Dauer problematisch. „Wir wollen Youtube nicht verklagen, wir wollen einen Vertrag“, hatte Gema-Chef Harald Heker unlängst gesagt, seine Organisation sei jederzeit verhandlungsbereit. Gespräche mit Anonymous wird es allerdings nicht geben, diese Gruppierung sei zu heterogen, hieß es am Montag. Kurt Sagatz

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