Medien : Zähneblecken

Ruth Ciesinger

Zum Thema Online Spezial: Die große Sonderseite zur Buchmesse
Service buecher.de: Dieses Buch online bestellen
Diese trunkene Zugfahrt, diese tieftraurige besoffene Reise Moskau – Petuski hat ein so biblisches Ausmaß an Wissen, Schmerz und Witz, dass sie jeden Eisenbahnwaggon entgleisen lässt und so klug ist, dass lange Jahre vor allem Leser im Westen gar nicht verstanden haben, wie hier der Russe Venedikt Erofeev zwischen den Bahnstationen die ganze komödiantische Tragödie eines denkenden Geistes zu Sowjetzeiten verfasst. Im Gegenteil, als Hohelied des Alkoholismus wurde das Meisterwerk geschmäht. Doch Peter Urbans neue Übersetzung des 1970 entstandenen Poems erweckt nicht nur wunderbare Sprache zu neuem Leben. Der kluge Anhang führt zur Geschichte hinter der Geschichte, den Assoziationen und Bildern, die sonst verborgen blieben, und lässt die ganze Größe eines Autors strahlen, den das „bestialische Zähneblecken des Daseins“ nicht hat erschüttern können.

Venedikt Erofeev :

Moskau – Petuski. Ein Poem. Verlag Kein und Aber, Zürich. 269 Seiten, 18,90 €.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben