Medien : Zahmer Casanova

Von noch mehr Frauen umgeben: Samuel Finzi als Polizeipsychologe Flemming

von

Flemmings erster Flirt – mit einer Sozialarbeiterin – ist nicht fern, natürlich nicht. Er kabbelt sich außerdem mit einer neuen Chefin (Maren Kroymann), ist schlagfertig und charmant geblieben, genial und etwas überheblich. Ein Psychologe müsse „irgendwie Gott sein“, der alle und jeden liebe, sogar den Teufel, sagt er. Flemming (Samuel Finzi) liebt vor allem die Frauen, auch in der zweiten Staffel, doch das Treiben des Berliner Casanovas wird deutlich ausgebremst. Denn: Er wird Vater.

Am Ende der ersten Staffel der ZDF-Krimi-Serie um den Berliner Polizeipsychologen verschwanden Flemming und seine Ex-Frau, die Kommissarin Ann Gittel (Claudia Michelsen), in einem Hotelzimmer. Schließlich liebte man sich, Scheidung hin oder her, immer noch. Weiterhin arbeitet man zusammen und lebt vis-á-vis im selben Haus, eine Funken sprühende Beziehung auf Rufweite und gelegentlich engerem Kontakt. Nun bekommt Ann Gittel ein Kind und soll außerdem befördert werden. Kind oder Karriere? Endgültige Trennung von Flemming oder doch ein gemeinsamer neuer Anfang? Das sind die Beziehungskoordinaten, die das Spielfeld dieser Krimi-Serie abstecken, deren Fälle sich ebenfalls um die Liebe drehen, um ihre dunkle Seite: um Macht und Gewalt, Eifersucht und Rache.

Autor Gregor Edelmann („Der letzte Zeuge“) setzt in der zweiten Staffel, die das ZDF am Freitag startet, weiter auf unkonventionelle Dialoge und psychologische Finten, das ist die Konstante – doch nicht nur Flemming wird etwas braver und familientauglicher. Es sollte alles „ein bisschen süffiger, wärmer und weniger überfrachtet“ werden, sagt Redakteurin Verena von Heereman. So will das ZDF den eher durchschnittlichen Einschaltquoten der Ende 2009 ausgestrahlten ersten sechs „Flemming“-Folgen (3,65 Millionen Zuschauer/12,3 Prozent Marktanteil) auf die Sprünge helfen. Damit es eine Fortsetzung geben kann, sollte bei den Marktanteilen „schon eine 13 davor stehen“, erklärt von Heereman.

Zum Auftakt der zweiten, achtteiligen Staffel gerät ein Ex-Sträfling (Bernd Michael Lade), dem Gutachter Flemming einst eine günstige Prognose stellte, kurz vor dem Ende seiner Bewährungszeit in Verdacht, wie früher Frauen zu überfallen, zu würgen und auszurauben. Lade, einst „Tatort“-Kommissar, traut man wirklich alles zu, sogar den tätowierten Knacki, der eine Affäre mit seiner Sozialarbeiterin (Nicolette Krebitz) hat. Und natürlich ist es Flemming, der den erdrückenden Indizien nicht traut und mit seinem wachen Blick für Details den wahren Täter entlarvt. Außerdem lässt er sich von seiner neuen Chefin Walli Hoven äußert ungern einen Irrtum nachsagen.

Statt des derben Macho-Brockens Karl Leo, seinem Vorgesetzten in der ersten Staffel, bekommt Flemming mit Hoven nun einen weiteren weiblichen Widerpart, der ihm eher mit feinen Spitzen Contra gibt: „Ich schnappe nur ein bisschen nach Luft. Es liegt so viel Genialität drin“, sagt sie spöttisch im Disput. Und nachdem Flemming angriffslustig sein Mitgefühl für ihren Mann ausgedrückt hat („falls Sie einen haben“), entgegnet Hoven: „Nein, ich halte mir Katzen.“ Diese Kombination lässt sich vielversprechend an.

Verschwunden ist auch Flemmings Freund Hans Matthei, gespielt von Hanns Zischler. Das ist nicht unbedingt ein Verlust, denn so richtig gezündet hat dieses Duo in der ersten Staffel nicht. Dagegen erhält die Reihe mit der kecken, fröhlichen Chefsekretärin Mette (Nadja Petri) einen bunten Farbtupfer, der der „boulevardesken Ader des Autors“ entgegenkomme, wie Redakteurin van Heereman erläutert.

Flemming ist nun in einem fast ausschließlich weiblichen Kosmos unterwegs, das könnte zu stärkeren Flirt-Turbulenzen Anlass geben, doch eher das Gegenteil ist der Fall: Seine Sorge gilt zunehmend seiner Ex-Frau und dem gemeinsamen Kind. In einer der nächsten Folgen wird er ihr sogar wieder einen Heiratsantrag machen.

„Flemming“, 21 Uhr 15, ZDF

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben