Medien : Zappen, bis „zibb“ kommt

Der RBB verschmilzt sein Vorabendprogramm zu einer Boulevardsendung

Joachim Huber

„zibb“, wie das klingt? Nach einem Reißverschluss, wäre eine Möglichkeit. Oder nach einer neuen Fernsehsendung, das wäre dann die andere. In seine Bestandteile aufgelöst bedeutet „zibb – zuhause in berlin & brandenburg“ und funktioniert wie ein Reißverschluss: „zibb“ ist vom 10. November an der Versuch, die Fernsehzuschauer von RBB Berlin und RBB Brandenburg in einem gemeinsamen Fernsehformat zusammenzubringen, und zwar von Montag bei Freitag zwischen 18 Uhr und 19 Uhr 30. Die Boulevardstrecke muss diese Vorpremiere zu einem gemeinsamen Dritten für Berlin und Brandenburg nicht alleine stemmen: Bereits um 18 Uhr geht „rbb um 6“ auf Sendung, eine halbe Stunde später folgt „zibb“.

Gabriel Heim, der Fernsehdirektor des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), setzt höchste Erwartungen in die 90 Minuten: „Vorabend muss Marktführerschaft heißen“, sprich Quoten im zweistelligen Bereich. Für „rbb um 6“ sicher leichter zu bewerkstelligen, wer um diese Zeit einschaltet, der bekommt in 25 kompakten Minuten die News vom Tage aus Berlin und Brandenburg serviert. Um Zuspruch muss sich die Sendung keine Sorgen machen, schließlich saugt „rbb um 6“ die gewohnten Sendungen von „Abendschau“ (RBB Berlin) und „Aktuell um 6“ (RBB Brandenburg) und die gewohnten Moderatoren auf. Und der Zuschauer kann versichert sein, dass ihm um 19 Uhr 30 die weiterhin getrennt laufenden „Abendschau“ und „Brandenburg aktuell“ sein Berlin und sein Brandenburg erklären und einordnen.

Bleibt das Risiko „zibb“ oder der Versuch, „guten, öffentlichen Boulevard“ zu stemmen: Redaktionsleiter Jens Riehle glaubt, das Publikum in Stadt und Land in einer „frischen Feierabend-Stimmung anzutreffen“. So gestimmt, bekommt der Zuschauer Informationen und Service im Allerlei-Format geboten: illustre Gäste (auch aus Brandenburg), ein Haufen Verbraucher- und Freizeit-Tipps, Reportagen, Live-Schaltungen zu Ereignissen in der Region, ein Veranstaltungskalender. Für den Zuschauer von RBB Brandenburg bricht damit keine Fernseh-Revolution aus, er hat „zibb“ als „Abendjournal“ eigentlich schon kennen gelernt. Anders der Konsument von RBB Berlin, der bislang über Einzelformate wie „Die Anrufbeantworter“, „Berlin life“ oder „Sport-Palast“ bedient wurde. Diese werden künftig in „zibb“ zusammengeschoben und mit Brandenburger Beimischungen zu 60 Minuten „zibb“ erhitzt.

Immerhin, um der Bedeutung des Sports und der Kultur gerecht zu werden, wird der „Sport-Palast“ von der nächsten Woche an am Sonntagabend parallel zum „Einwurf“ laufen, werden die Kulturmagazine „Querstraße“ und „Ticket“ in der neuen Wochensendung „Stilbruch“ (Premiere: 13. November) aufgehen. „Stilbruch“, ist das ein geglückter Name für eine Kultursendung? So ganz stilsicher sind die Macher nicht, siehe „zibb“, die Sendung mit dem Reißveschluss.

Was bei der Pressekonferenz am Montag in Potsdam dafür deutlich wurde: Es wird auf dem hohen Niveau der „Abendschau“ Geld in die Hand genommen, die Redaktionsräume und Studios in Babelsberg wurden stark aufgerüstet, die Moderatoren mussten sich einem Casting unterziehen. Bei „rbb um 6“ sind fünf Namen herausgekommen, und alle Beteiligten rechnen damit, dass nach einem Jahr nur noch drei übrig bleiben werden. Bei „zibb“ überlebten drei Paare die Konkurrenz, immer zusammengesetzt aus Berliner und Brandenburger Kräften. Das Casting-Prinzip erfreut nicht jeden im RBB: „Ticket“-Chef Wilfried Rott jedenfalls hat darauf verzichtet. Über seine weitere Verwendung wird scharf nachgedacht. Am Donnerstag moderiert Rott zum letzten Mal „Ticket“.

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