ZDF : Befreiungsschlag

Peter Frey wird neuer ZDF-Chefredakteur. Der 52-jährige Journalist tritt somit die Nachfolge von Nikolaus Brender an. Bettina Schausten wird Frey an der Spitze des Haupstadtstudios nachfolgen.

Joachim Huber
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Peter Frey geht von Berlin nach Mainz. -Foto: dpa

Peter Frey wird im April 2010 neuer ZDF-Chefredakteur. Der Verwaltungsrat des Senders legte sich am Donnerstag einstimmig auf den 52-jährigen Journalisten als Nachfolger von Nikolaus Brender (60) fest, wie das ZDF mitteilte. Frey leitet bislang das ZDF-Hauptstadtstudio Unter den Linden. Bettina Schausten (44), bisher Chefin der Hauptredaktion Innenpolitik im Sender, wird Frey an der Spitze des Haupstadtstudios nachfolgen.

Das einstimmige Votum für Peter Frey bedeutet, dass Frey auch von den Unionsvertretern im 14-köpfigen Gremium alle Stimmen bekommen hat. Das konservative Lager bildet um den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch herum die Mehrheit. Eben diese Mehrheit hat vor knapp zwei Wochen die Vertragsverlängerung für Brender über den 31. März 2010 hinaus abgelehnt. Beide Personalvorschläge kamen von Intendant Markus Schächter. Ob Brender seinen laufenden Vertrag erfüllen oder Frey bereits früher nach Mainz wechseln wird, war am Donnerstagabend noch eine offene Frage.

Für Beobachter ist der Chefredakteurswechsel im ZDF nicht frei von Ironie. Brender wie Frey laufen auf dem Ticket des SPD-Freundeskreises in den Sendergremien. Heißt: Die Konservativen haben den einen moderaten Linken, Nikolaus Brender, vor die Tür geschickt und zugleich einen moderaten Linken, Peter Frey, gewählt. Der Vorgang illustriert, wie sehr Intendant Markus Schächter bei den Spitzenpersonalien in Europas größter Fernsehanstalt vom Wohlwollen der Parteipolitiker abhängig ist. Das Links-Rechts-Schema im ZDF ist intakt. Für Koch und die Konservativen bleibt der weitere Triumph, dass mit Schausten eine Journalistin an die Spitze des Hauptstadtstudios rückt, die der Union so fern nicht steht. Für den parteiunabhängigen Journalismus im Sender, für den alle drei – Brender, Frey und Schausten – einstehen, kann das eine Bürde sein.

Peter Frey, der gewählte ZDF-Chefredakteur, ist ein Pragmatiker, kein Programmatiker des Journalismus. Seine Arbeit ist auf den Zuschauer ausgerichtet. Erklären und aufklären, mit kühlem Blut. Die letzte und vielleicht einzige öffentliche Erregung passierte Peter Frey, als er vor der Bundestagswahl Linken-Chef Oskar Lafontaine im „Sommerinterview“ gegenübersaß. Da flogen die Fetzen, wo beim ausgeglichenen Frey sonst das Papier leise raschelt.

Kommt Bettina Schausten nach Berlin, trifft sie auf alte Bekannte. Die Journalistin war von 1997 bis 1999 Leiterin und Moderatorin des „Morgenmagazins“. Dem größeren Publikum ist sie als Leiterin von ZDF-Wahlsendungen, des „Politbarometers“ und der Interviewsendung „Was nun?“ bekannt. Mit Schausten übernimmt erstmals eine Frau die Leitung des größten ZDF-Studios jenseits von Mainz.

„Mit Peter Frey wird ein herausragender, allseits anerkannter Topjournalist neuer Chefredakteur des ZDF“, sagte Schächter nach der Wahl. „Er steht für Glaubwürdigkeit, Professionalität und die journalistische Unabhängigkeit unserer Informationssendungen.“ Frey sagte, es sei jetzt die Hauptaufgabe des neuen Chefredakteurs, die Glaubwürdigkeit des Senders, die in der öffentlichen Wahrnehmung gelitten habe, wiederherzustellen. „Dafür arbeite ich mit den Kolleginnen und Kollegen, den Redaktionen, der Geschäftsführung und auch den Gremien.“

Das sei eine gute Entscheidung für die Zukunft des ZDF, sagte CSU-Politiker Edmund Stoiber, Mitglied im Verwaltungsrat. „Erneuerung und Verjüngung werden das ZDF in den umwälzenden Herausforderungen des neuen Medienzeitalters stärken.“ Das große Einvernehmen im Gremium und die Qualität des neuen Chefredakteurs zeigten, dass die Kritik an Koch ohne jedes Maß gewesen sei. „ In einem gebührenfinanzierten Milliardenunternehmen wie dem ZDF geht es in den Spitzenpositionen vor allem auch um Managementqualitäten“, sagte Stoiber.

Hessens Ministerpräsident verteidigte am Donnerstag noch einmal seine Entscheidung gegen Brender. Die Opposition könne der Meinung sein, dass Brender für das Amt am besten geeignet sei, „ich persönlich bin dieser Auffassung nicht“, sagte Koch im Wiesbadener Landtag. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel warf Koch „dezidierten Amtsmissbrauch“ vor. Grünen-Fraktionschef Tarek al Wazir sagte: „Sie wollen sich den Rundfunk untertan machen“.

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