ZDF-Dreiteiler : Liebe? Frauen West treffen Männer Ost

Von wegen Einheit: Im Osten gibt es Männer-Überschuss, und im Westen werden die Frauen nicht glücklich. 270.000 Singles allein in Köln, davon die Mehrzahl weiblich! Das Fernsehen, namentlich das um die deutsch-deutsche Vereinigung besonders bemühte ZDF, kann bei diesem Missstand 20 Jahre nach dem Mauerfall nicht tatenlos zusehen.

Thomas Gehringer

Also geht’s mit „zehn Frauen aus Köln“ per Oldtimer-Bus ab in den darbenden Osten, genauer gesagt: nach Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern, wo auf der Freitreppe vor dem Schloss zehn Männer warten. Alle haben erst wenige Stunden zuvor die Fotos mit den Teilnehmern des jeweils anderen Geschlechts zu sehen bekommen. „Der könnte mein Papi sein“, „der geht“, „da sind ja rassige Frauen bei“ – die ersten Eindrücke sind durchaus gemischt und werden bei Sekt und Smalltalk vertieft.

Der Dreiteiler „Wo die Liebe hinfährt“ ist eine harmlose Dating-Variante, ein Wohlfühlprogramm zur Urlaubszeit, bei der Ost-West-Gegensätze in Wahrheit kaum eine Rolle spielen. Außer gelegentlichen Frotzeleien und vereinzelter Verwunderung, dass im Osten so ein schönes Schloss zu finden sei oder dass Köln nicht im Ruhrgebiet liege, tun sich keine kulturellen Gräben auf. Eine Woche lang hat das Fernsehteam Kennenlernen und Annäherungsversuche begleitet, was vermutlich in mancher Situation eine Zumutung war. Aber erkennbar gingen die Kameras auch beizeiten auf Distanz oder hielten sich ganz fern. Als „Reiseleiter“ und Ratgeber fungierten eine „Flirt-Trainerin“ und ein „Beziehungscoach“.

Die Männer und Frauen sind zwischen Mitte 20 und 50 Jahre alt, es gibt die sportlich-lockeren Junggesellen-Typen und die gesetzteren Familienväter und -mütter, die bereits Ehen hinter sich und erwachsene Kinder haben. Die soziokulturellen Unterschiede in dieser Mittelschichtsgruppe sind dagegen eher gering, auch wenn einer der Männer gerade arbeitslos ist, weil sein Arbeitgeber Konkurs anmelden musste. So liegen sich alle nach einer ausgesprochen harmonischen Woche, in der es vereinzelt gewaltig funkt, aber auch schmerzhafte Abfuhren erteilt werden, freundschaftlich in den Armen. Thomas Gehringer

„Wo die Liebe hinfährt“, 18 Uhr 15, ZDF

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