ZDF-Gremium rügt Manipulationen bei ZDF-Shows : Jetzt aber mal ehrlich

Missbilligung: Programmausschuss des ZDF-Fernsehrats zeigt dem Sender seine Grenzen auf. Intendant Bellut gibt den Büßer

von
"Deutschlands Beste"? Johannes B. Kerner moderierte eine Fakeshow.
"Deutschlands Beste"? Johannes B. Kerner moderierte eine Fakeshow.Foto: dpa

Der Skandal bei den ZDF-Shows „Deutschlands Beste!“ wird von den internen Kontrolleuren voraussichtlich so scharf gerügt wie selten in der
Sendergeschichte. „Der Programmausschuss empfiehlt dem Fernsehrat, die beiden Shows zu missbilligen, weil gegen Programmrichtlinien verstoßen wurde“, teilte die
Ausschusschefin Christine Bergmann am Freitag nach einer Sitzung in Berlin mit. ZDF-Redakteure hatten bei dem Show-Zweiteiler vom 2. und 3. Juli ein Umfrage-Ranking gefälscht und eingeladene Gäste hochgestuft. Unterhaltungschef Oliver Fuchs war zurückgetreten, zwei Redakteurinnen wurden abgemahnt. „Das ZDF hat mit seinen internen Untersuchungen und den bereits gezogenen Konsequenzen
selbst einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung und Aufarbeitung geleistet“, sagte Ex-Bundesfamilienministerin Bergmann. Allerdings erwartet das Gremium darüber hinaus dass das ZDF strukturelle Konsequenzen ziehe und ein Regelwerk für Zuschauervotings vorlege, mit dem das Zustandekommen des Votings und die Ergebnisse transparent in der Sendung und sendungsbegleitend im Internet dargestellt würden.

Die Missbilligung ist nach Angaben eines ZDF-Sprechers das schärfste Schwert des Fernsehrats. Solche Fälle habe es bisher nur sehr selten gegeben. Als Beispiel für
eine frühere Missbilligung des Gremiums nannte das ZDF den Beitrag „Die Schalck-Connection“ von 1991 über den früheren DDR-Staatssekretär Alexander
Schalck-Golodkowski. ZDF-Intendant Thomas Bellut sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Die Manipulationen bei „Deutschlands Beste!“ haben einen großen Imageschaden verursacht. Wir haben das
aufgeklärt und Konsequenzen gezogen.“ Auch auf die Forderung des Programmausschusses, Entstehung und Resultate von Zuschauervotings künftig offenzulegen, will der Sender eingehen. „Bei Sendungen dieser Art werden künftig die Befragungsmethoden und alle Ergebnisse transparent gemacht“, sagte Bellut. „Manipulationen an repräsentativen Umfragen darf es nie wieder geben.“ Der
Fernsehrat, der 77 Mitglieder hat, tagt wieder am 19. September. (mit dpa)

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben