Medien : ZDF: Interview: Heutigkeit ist Trumpf

Wenn die letzte Ausgabe des "Literarischen Quartet

Markus Schächter, 51, ist Programmdirektor des Zweiten seit April 1998.

Wenn die letzte Ausgabe des "Literarischen Quartetts" gelaufen ist, wo bleibt dann das Buch im ZDF, das seinen Sitz immerhin in der Gutenberg-Stadt Mainz hat?

Wenn am 14. Dezember das Literarische Quartett - übrigens auf Einladung des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue - seine 13-jährige Karriere im Dienste an der Literatur beendet, geht es im ZDF selbstverständlich weiter mit Buch-Sendungen.

Zunächst bleibt uns ja Reich-Ranicki erhalten. Er wird ab Januar 2002 alle vier Wochen - also häufiger als jetzt mit dem zweimonatlichen Literarischen Quartett - in seiner neuen Sendung unter anderem das literarische Leben aktuell ausleuchten. Selbstverständlich sind wir in Gesprächen über eine ähnliche Sendung wie das Quartett. Aber das braucht seine Zeit, weil ein Unikat und eine besondere Marke wie das Quartett nicht einfach imitiert werden darf. Darüber hinaus gibt es "aspekte - extra"-Sendungen zur Literatur.

Was genau wird die künftige Aufgabe von Marcel Reich-Ranicki sein?

Wir wollen gemeinsam mit Marcel Reich-Ranicki ein Risiko eingehen und ein Hörfunkformat, das früher die Literaturkritiker Alfred Kerr und Friedrich Luft mit sagenhaftem Leben gefüllt hatten, ins Fernsehen bringen: Ein inszenierter Monolog zu unterschiedlichen Themen der literarischen Zeit und der kulturellen Welt. Im Oktober machen wir die ersten Pilotversuche für die formale Gestaltung. Wir sind gespannt.

Es heißt, das ZDF würde mit Harald Schmidt über einen Senderwechsel verhandeln.

Harald Schmidt hat leider mit seinem Sender einen langjährigen Vertrag. Aber es macht immer Spaß, mit ihm zu reden. Zuletzt redete er erfolgreich im ZDF über die Hintergründe der Spaßgesellschaft; 15 Prozent Marktanteil knapp vor Mitternacht, mehr als bei seiner eigenen Show.

Will man sich an die nachhaltigen Erfolge der ZDF-Programmdirektion erinnern, dann fallen einem der Fernsehfilm am Montag, "Das Traumschiff", der Krimi am Freitag und "Wetten, dass ... ?" ein. Fällt Ihnen noch etwas ein, das jünger als 20 Jahre ist?

So genau scheinen Sie nicht den Sender zu beobachten. Wenn Ihnen entgangen ist, dass wir während der Tageszeit mit der Formatpremiere einer täglichen Gerichtssendung den ZDF-Nachmittag vom letzten Platz weggeholt haben und zu einem Marktführer gemacht haben, so ist das verzeihlich. Unübersehbar sind aber außerordentlich erfolgreiche und repertoirefähige Veränderungen in der Prime-Time: Die Einführung des Samstag-Krimis zu Beispiel mit Rosa Roth, Bella Block und Stubbe oder der Paradigmen-Wechsel am Sonntag, 20 Uhr 15, von der volksmusikalischen Unterhaltung zu Comedys und Melodramen. Oder: Der Ausbau der Wissenschaftssendungen.

Warum wirkt die ZDF-Unterhaltung so schwach, so altbacken?

Nur weil wir nicht beim kalkulierten Tabubruch im Amüsier-TV dabei sind, versuchen Sie uns in eine graue Ecke zu stellen. Wir haben anderes zu bieten: Eine führende Talkshow, die besten Musikformate, mit "Lukas" Premium-Leistungen im Comedy-Bereich. Wir sind mit JB Kerner, Kim Fischer, Götz Alsmann, Kai Böcking, Andrea Kiewel personell gut aufgestellt. Wir haben erfolgreichste Eventshows mit höchsten Quoten.

Der neue Unterhaltungschef, Manfred Teubner, holt den "Großen Preis" aus dem Archiv. Das letzte Hurra, um am Quiz-Boom doch noch teilhaben zu können?

"Der Große Preis" soll eine erfolgreiche Sendung für unsere Aktion Mensch werden, die als ehemalige Aktion Sorgenkind ein Teil der ZDF-Geschichte ist. Punktum. Hier geht es um den Zweck, nämlich eine außerordentlich wichtige soziale Aktion, zu deren Gründern das ZDF gehört. Und es geht um spendenbereite Zuschauer, die eher älter als jünger sind.

Johannes B. Kerner wird zum Beginn des kommenden Jahres an vier Abenden seine Show absolvieren. Mus da nicht entschieden am Konzept weitergearbeitet werden? Nur nett, das trägt den Kerner doch nicht.

In mehreren Klausuren wurde überprüft, ob es genug Stoff für Kerner mal vier gibt. Das Ergebnis: Es gibt. Und es gibt Variationen des Formats. Das Duell wie zwischen Alice Schwarzer und Verona Feldbusch; oder das Einzelgespräch, wie es mit Michael Degen ansatzweise erprobt wurde. Die zusätzlichen Kerner-Sendungen treten an die Stelle von Wiederholungen am späten Abend. Ich bin sicher, dass wir damit mehr Lebendigkeit, Heutigkeit und Interessantheit ins Programm bringen.

Stimmt der Eindruck, dass das ZDF eine TV-Veranstaltung auf Nummer sicher ist? Neue Sendungen sind so verzagt, dass es nur wenig Mut braucht, sie schnell wieder abzusetzen.

Das ZDF ist im Schnitt der zurückliegenden Jahre der besteingeschaltete Sender in der Prime Time. Also in jener Zeit am Hauptabend, in der bewusst und selektiv eingeschaltet wird. Dieser Sender muss doch eine deutlich größere Attraktivität und Vitalität besitzen als das, was man ihm in ewiger Wiederkehr pauschal vorwirft. Der Start der Reihe "Gefühlsecht" im Kleinen Fernsehspiel zur späten Prime Time ist das Gegenteil von zaghaft, die Serie "Sopranos" am Samstagabend das Gegenteil von mutlos.

"Friedman" macht Furore im Ersten. Jetzt kann Oskar Lafontaine sich vorstellen, die Talkszene im deutschen Fernsehen zu bereichern. Ihnen eine Überlegung wert?

Nein.

Wenn die Kandidaten für den nächsten ZDF-Intendanten genannt werden, fällt Ihr Name immer wieder. Von Ihnen hört man nichts - kein Interesse?

Dieses Amt hat eine herausragende Besonderheit. Da macht man keinen Wahlkampf.

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