ZDF-Krimi : Eine junge Frau verschwindet: "Spurlos"

Vertrauen, Geld oder ein Leben auf Pump, das sind die Themen, die nicht nur Money-Coach Peter Zwegat bewegen. Auch "Kommissarin Lucas" mit Ulrike Kriener muss sich damit beschäftigen.

Katharina Zeckau
Geiselnahme. Kommissarin Lucas (Ulrike Kriener) sondiert die Lage. Foto: ZDF
Geiselnahme. Kommissarin Lucas (Ulrike Kriener) sondiert die Lage. Foto: ZDFFoto: ddp

Geld und Vertrauen, zwischen diesen Konzepten ist der neueste Fall von „Kommissarin Lucas“ angesiedelt. „Hier lebt doch jeder über seine Verhältnisse! Sie nicht?“ heißt es zu Beginn des Krimis einmal. Das Leben auf Pump, es rächt sich eben nicht nur in den USA oder Griechenland. Nach Peter Zwegats Coachingformat ist es auch in der hiesigen TV-Fiktion angekommen: Im letzten Münchner „Polizeiruf“, der von verschuldeten Hausbesitzern erzählte, oder nun in „Spurlos“. Der Film beginnt mit der Geiselnahme zahlreicher Cafébesucher durch einen pleitegegangenen Bauunternehmer. Nur durch die geschickte Verhandlungstaktik von Ellen Lucas (Ulrike Kriener) gelingt es, den Mann zu überwältigen.

Tatsächlich ist dieser kleine Exkurs in die Untiefen des deutschen Mittelstandes nach der Finanzkrise nur der Auftakt zu einem gänzlich neuen Fall. Denn Anna Huber, die man unter den Geiseln vermutete, bleibt verschwunden. Lucas und ihr um zwei forsche Jungspunde (gespielt von Florian Stetter und Ines Björg David) erweitertes Team recherchieren in dem Vorstadtmilieu, in dem die 20-Jährige aufwuchs. Und finden heraus, dass die Bankangestellte ihren Job kündigte und auf dem Absprung in ein neues Leben war, weg aus dem Provinzmief, hinein in ein abenteuerliches Dasein an der Seite des aufstrebenden Politikers Jan Geissler (Mark Waschke). Als Zuschauer weiß man da längst: Anna sitzt in einem Kellerverlies und hämmert verzweifelt gegen die Wände. Doch wer hinter der Entführung steckt, darüber tappt man ebenso wie die Ermittler im Dunkeln. Ist es Geisslers eifersüchtige Frau (Anja Kling)? Oder Annas Vater (Michael Fitz), der eine enge, vielleicht allzu enge Beziehung zur eigenen Tochter pflegte?

Zwischen der kühlen Wohnlandschaft des Politikers und den rustikalen Sitzecken in Annas Elternhaus bewegen sich die Ermittler, und immer wieder steht sie zur Disposition – die Frage, wie weit das Vertrauen geht. Zwischen Annas Eltern, Geissler und seiner Frau, oder der Kommissarin und ihrem Kollegen Boris, der ihr eine Erkrankung verschweigt. Und doch kratzt der Film nur an der Oberfläche. Denn Anna, die angeblich für einen ganz anderen Lebensentwurf, eine Ungebundenheit jenseits materieller Werte steht, sie ist die große Leerstelle, um die der Krimi immer schwerfälliger kreist. Sie beherrscht die Gespräche und Gedanken aller – und doch oder gerade deswegen bleibt ihre Figur eine einzige Behauptung.

Was weniger an ihrer Darstellerin Amelie Kiefer als am Buch von Thomas Berger liegt, der auch Regie führte. Zu viele Geschichten und Figuren rund um das verschwundene Mädchen will der Film erzählen, anstatt sich auf einen starken Kern, die Psychologie weniger Protagonisten zu konzentrieren. Zu kompensieren versucht Berger die dramaturgische Fahrigkeit mit einer überdeutlichen Inszenierung und messerscharfem Text. Da ist etwa die ins Bild gesetzte Einsamkeit einer Junggesellenbehausung mit Händen zu greifen, trotzdem gibt’s dazu den Satz: „Er muss sehr einsam gewesen sein!“ Das raubt dem zwölften Fall von Ellen Lucas Spannung und Leichtigkeit – und sorgt dafür, dass selbst eine Ulrike Kriener uninspiriert guckt. Katharina Zeckau

„Kommissarin Lucas“, Samstag, ZDF, 20 Uhr 15

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