ZDF-Krimi "Nachtschicht" : Gefährlicher Talk

Schluss machen auf ungewöhnliche Weise: Lars Beckers „Nachtschicht“ bleibt eine der aufregendsten Krimimarken im ZDF.

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Neuer Fall. Erich Erichsen (Armin Rohde) würde nachts gerne mal schlafen.
Neuer Fall. Erich Erichsen (Armin Rohde) würde nachts gerne mal schlafen.Foto: ZDF

Das ZDF hat im Verlauf der vergangenen 20 Jahre für eine Vielzahl großartiger Krimimarken gesorgt, aber selbst in diesem Umfeld ist „Nachtschicht“ eine Premium-Marke. Autor/Regisseur Lars Becker imponiert regelmäßig mit filmisch dichten Kompositionen, die woanders nicht zu finden sind. Neben den originellen Geschichten beeindrucken die Arbeiten vor allem durch eine bemerkenswerte Bildgestaltung. „Wir sind alle keine Engel“ ist Beckers zwölfte Zusammenarbeit mit Kameramann Hannes Hubach.

Auch ein Unikum im deutschen Fernsehen: Die Filme werden größtenteils nachts gedreht. Deshalb wird das Revier des Kriminaldauerdienstes Hamburg auch diesmal wieder zur Anlaufstelle für das Strandgut des nächtlichen Großstadttreibens. Mindestens so reizvoll wie der Facettenreichtum der Handlung mit ihren vielen Nebenschauplätzen ist die Konstruktion des Drehbuchs, weil sich nach und nach alle Beteiligten in der gläsernen KDD-Zelle einfinden, vorausgesetzt, sie haben zuvor nicht das Zeitliche gesegnet. Das Rückgrat des Films ist allerdings akustischer Natur. „Wir sind alle keine Engel“ beginnt mit einer metropolischen Schnittkaskade, die eine Radiosendung illustriert. Moderatorin Milla (Katja Bauerfeind) fordert ihre Hörerschaft auf, Trennungsgeschichten zu erzählen. Pizzafahrer Mufti (Arnel Taci) nutzt die Gelegenheit, um auf diese Weise mit seiner Freundin Sharronda (Alina Levshin) Schluss zu machen. Die ist geschockt, schnappt sich eine Pistole, ballert in die Decke und stürmt in das Blumengeschäft ihrer früheren Arbeitgeberin.

Keine Ahnung, wie turbulent sich die Nacht entwickeln wird

Weil Sharrondas Nachbarn die Polizei alarmiert haben, entdecken die Ermittler Lisa Brenner (Barbara Auer) und Erich Erichsen (Armin Rohde) in einer Wohnung einen Toten, der ein Foto in der Hand hält. Selbstverständlich wissen sie in diesem Moment noch nicht, dass diese Hinrichtung bloß der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Morden sein soll. Auch darin besteht ja der Reiz dieser Reihe. Wenn die Beamten abends ihren Dienst antreten, haben sie keine Ahnung, wie turbulent sich die Nacht entwickeln wird. Mufti zum Beispiel wird seine Radioaktion noch bitter bereuen. Er ist der Nächste auf der Liste. Und dann will sich der Mörder Millas Chef vom Dienst (Hans-Jochen Wagner) vornehmen.

Die Erklärung für all diese Taten ist schon auch ein bisschen dünn und erinnert an US-amerikanische Produktionen, in denen der Nervenkitzel oft wichtiger ist als die psychologischen Motivation des Mörders. Andererseits ist auch die Umsetzung sehr kinogemäß. Vermutlich würden die „Nachtschicht“-Filme ihr ganzes Potenzial ohnehin erst auf einer Leinwand entfalten.

„Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel“, Montag, ZDF, 20 Uhr 15

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