ZDF-Krimi : TV-Kommissar Stubbe quittiert seinen Dienst

Auch Ermittler werden älter: Nach 20 Jahren verabschiedet sich TV-Kommissar Stubbe alias Wolfgang Stumph. Sein letzter Fall spielt unter Rollstuhlfahrern.

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Kommissar Stubbe (Wolfgang Stumph). Foto: picture alliance / dpa
Kommissar Stubbe (Wolfgang Stumph).Foto: picture alliance / dpa

Da zieht er hin, der alte Ossi. Nach Schmücke und Schneider vom Hallenser „Polizeiruf 110“ geht jetzt Kommissar Stubbe aufs Altenteil. Solche wie er wachsen nicht nach; bei den Jüngeren fragt man sich schon lange nicht mehr, ob sie aus Ost- oder Westdeutschland kommen. Dieser Schnauzer, der Parka und die ganz spezielle Sorte brummiger Melancholie sind Auslaufmodelle.

Wilfried Stubbe, 1995 angetreten, um im fremden Hamburg Mörder zu fangen und sich mit dem Kollegen Zimmermann (Lutz Mackensy) herumzuschlagen, verabschiedet sich in drei Folgen. 20 Jahre lang hat der Sachse Wolfgang Stumph den Sachsen Stubbe gespielt. 50 Folgen, prächtige Zuschauerzahlen: „Stubbe – von Fall zu Fall“ ist laut Sender der erfolgreichste Samstagskrimi im ZDF.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass er nie mit halsbrecherischen Ideen, Anschlägen auf bekannte Denkweisen oder allzu schrägem Humor überfordert hat. Wenn ein Mann seine Frau betrügt und die Geliebte belügt, reicht das als Mordmotiv vollkommen aus. Da können auch Oma, Opa und die Kinder mitgucken, ist alles ganz ungefährlich.

Reichlich Familiengeplänkel

Zwischen den Ermittlungen gibt es reichlich Familiengeplänkel mit Tochter Chrissy (von Anfang an gespielt von Stumphs Tochter Stephanie) und gänzlich unerotischen Austausch mit der eigentlich attraktiven Freundin Marlene (Heike Trinker), Nachfolgerin der Ehefrau Caro (erst gespielt von Marie Gruber, dann von Renate Krößner), die schon 2003 das Zeitliche gesegnet hat.

Die schwächste der drei letzten Folgen heißt „Tödliche Bescherung“, läuft an diesem Samstag und ist ein klassischer Weihnachtskrimi. Der fiese Chef einer Weihnachtsmann-Agentur wird erschossen, Hauptverdächtiger ist ein Mitarbeiter, der ziemlichen Dreck am Stecken hat. Da sich aber Weihnachtsmänner bei der Arbeit ähnlich sehen, ist unklar, wem der Anschlag überhaupt galt. So hängt sich Stubbe selbst einen weißen Bart ans Kinn, um unter Schwulen, abgehalfterten Schauspielern und Stripperinnen zu ermitteln.

Überaus gemächlich entfaltet sich der Plot, genau so wichtig wie die Krimihandlung sind opulente Bilder der Weihnachtsbeleuchtung an der Innenalster und selbst gebackener Dresdner Stollen. Am Ende sind Gut und Böse säuberlich getrennt, und Weihnachten kann kommen (Buch: Michael Illner, Regie: Thorsten Wacker).

Interessanter wird es in der Folge „Der König ist tot“ (4. Januar). Darin geht es um Gentrifizierung und kleine Leute, die sich die Miete in ihrem eigenen Kiez nicht mehr leisten können. Ben Becker, aufgedunsen und fett, spielt herzerweichend einen Kleinkriminellen unter Mordverdacht, Milan Peschel einen Schuster, der mit letzten Kräften versucht, seine Rolle als alleinerziehender Vater und Geschäftsmann durchzuziehen.

Es geht aber auch darum, dass Stubbe nicht mit den Veränderungen in seinem Leben klarkommt. Die Rente rückt mit dem Serienende näher, Chrissy mit Mann und Kind will ausziehen, Marlene hat eine Stelle in Stubbes alter Heimat Dresden angenommen. Bei allen vorhersehbaren Gags mit der Assistentin Tina Rosinsky (Helene Grass) und überdeutlichen Ermittlerfragen – die Angst vor Alter und Veränderung ist hier mit viel Fingerspitzengefühl dargestellt (Buch: Astrid Ströher, Regie: Bernd Böhlich).

Der letzte Teil, „Mordfall Maria“ am 18. Januar spielt unter Rollstuhlfahrern. Die lebenslustige Maria bricht mitten im Basketballtraining tot zusammen. Hat ihr Arzt sie vergiftet? Oder ihr aufbrausender Lebensgefährte? Auch in dieser Folge ist die Krimihandlung nicht besonders spannend, wobei Schauspieler wie Uwe Bohm und Jule Böwe selbst bei schwächlichem Plot (Buch und Regie: Peter Kahane) grundsätzlich sehenswert sind.

Wie Stubbe dem Möbelwagen der Tochter hinterherwinkt, sich den Bitten seiner Freundin verweigert und stumm seine Krise durchlebt, das ist schon eine würdige Verabschiedung des altgedienten Quotenbringers. Eine kurze, berührende Sequenz zeigt den Anfang, die Frau, das Kind, den Mann mit noch dunklen Haaren. So muss sich das wohl anfühlen, wenn der letzte Lebensabschnitt naht.

Aber es ist Sommer, und – schöner Dreh, um den Kreis zu schließen – Dresden, wo Marlene ihn hinhaben will, ist als große Verlockung dargestellt (Kamera: Andreas Köfer). Die Stadt ist nicht mehr die arme Verwandte von vor 20 Jahren, der alte Ossi hat seine Aufgabe, Brücken zu schlagen, getreulich erfüllt. Also Servus, Stubbe! Das Leben geht weiter.

„Stubbe“, ZDF, 21. Dezember, 4. und 18. Januar, jeweils 20 Uhr 15

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