ZDF-Krimi um die Schlachtindustrie : Blutige Schnitzeljagd

Der ZDF-Krimi "Dengler - Am zwölften Tag" schickt seine Helden durch die elenden Fleischfabriken

Nikolaus von Festenberg

"Mein idealer Lebenszweck ist Borstenvieh und Schweinespeck", trällerte es vor mehr als hundert Jahren in der Johann-Strauß-Operette „Der Zigeunerbaron“, und wir Heutigen erkennen die Lichtjahre, die zwischen der quiekenden Fröhlichkeit von damals und dem jetzigen Elend der Massentierhaltung liegen. Filmemacher Lars Kraume (Buch und Regie) legt an diesem Montag im ZDF einen neuen Film aus der Dengler-Reihe vor, der auf einem Bestsellerroman von Wolfgang Schorlau beruht. Auch in dieser zweiten Verfilmung geht es um einen abenteuerlichen Ausflug in moderne Höllen. Vergangenes Jahr war die böse Pharmaindustrie („Der letzte Fluch“) dran, diesmal ist es die Passion der gequälten Schweine, sind es die Machenschaften der Schlachtindustrie, die Ausbeutung von rumänischen Lohnsklaven. Das Schweinereien zu nennen, würde die tierischen Opfer verhöhnen, das Schrecklichste der Schrecken bleibt nun mal der Mensch.

Keine Zweifel an der Gier der Branche


Die in die Handlung eingeflochtenen Originalbilder vom Elend der Tiere lassen keinen moralischen Zweifel an der verbrecherischen Gier dieser Industrie. Der Film sieht jugendlichen Tierschützern über die Schulter, die heimlich mit der Kamera das Grauen in den Boxen dokumentieren. Als sie entdeckt werden, zeigt das Wachpersonal, angeführt von einem gewissen Klaus (André M. Hennicke, die profilierteste Hackfresse unter den aktuellen Fernsehschurken), seine ganze Grausamkeit. Der Oberbaron der Schweinekönige mit dem Namen Osterhannes (Jörg Schüttauf) ist alarmiert, denn die Jugendlichen haben im Stall ein menschliches Ohr entdeckt, Hinweis auf einen Mord, der die fragile Zwangsordnung der rumänischen Metzgersklaven gefährden könnte.
Hier ist der Punkt, von dem die TV-Erzählung in eine übliche Betroffenheitsmesse übergehen könnte, mit Wut, Tränen und Trauer, mit Figuren, die ihre Eigenheiten dem Ernst des Anliegens opfern. Eine ziemlich geniale Ermittlerkonzentration aber, der Kraume die Treue hält, verhindert, dass das Schweineelend zum reinen Daseinszweck dieses Films wird, dass die Botschaft die Pflicht zur Unterhaltung frisst.
wolfang der Sanfte auf dem Motorrad, spielt den heiligen Georg (Dengler), den ehemaligen Ritter aus dem Orden des BKA, der nun wie Robin Hood freiberuflich den Dienst im Namen des Guten versieht. Ihm zur Seite steht Olga (Birgit Minichmayr), ihres Zeichens Hackerin, als solche verfolgt von BKA-Fahndern (Rainer Bock, Götz Schubert) und mit Georg in der keuschen Lust vereint, die Ermittlungsbehörde zu verarschen. Minichmayr spielt diese Olga wie einen digitalen Luftgeist im Batman-Outfit, zart und clever zugleich.

Sohn wird von der Schweinebande festgehalten


An die Schweinetragödie gerät das Duo, weil Georgs Sohn Jakob (Jannis Niewöhner) an der Tierschützer-Aktion beteiligt war und nun der Gefangene der Schweinebande ist. Die auf Olga eifersüchtige Mutter Hilde (Marie-Lou Sellem) besteht darauf, dass sich Georg des Schicksals seines Sohns wie ein richtiger Vater annimmt. Olga, die keusche Götter-Brunhilde an der Seite des weichen Siegfrieds, muss entschweben.
Moralisch ist das korrekt, aber schade für den Heiterkeitsanteil dieses Films. Denn ohne Olga ist Schluss mit melancholisch-ironischen Dialogen und mit lustvoll choreografierten Stunts: Frech wie Oma im Hühnerstall bringt Georg seinen verfolgten Luftgeist Olga mit dem Motorrad über Rolltreppen hinab direkt zur U-Bahn-Tür.
Ohne Olga hat der deutsche Problem-Ernst die Story fast vollständig wieder im Griff. Das Genre fordert sein Recht. Großes Feuer, Dämonendämmerung, Heimholung des fast verlorenen Sohnes. Es gähnen Chaos und, weil er mitsingen kann, der Zuschauer. Doch halt.
Da ist noch der große Abgang des Fleischbarons. In koketten Gummistiefeln verlässt Osterhannes, der Schweinepriester, seine Villa. Eine Freude will er sich machen und das Schwein schlachten, das er im Schuppen verwahrt. Das gewetzte Messer liebkost die arme Sau. Darsteller Schüttauf sprüht vor bübischer Mordlust. Borstenviehtöten als einziger Daseinszweck – Neuinterpretation der Strauß-Operette?
Schweinefleisch verdirbt den Charakter, heißt eine morgenländische Weisheit und in der Tat: Den Lüstling trifft im Film die verdiente Rache im Moment des Schlachtens. Das allerdings ist nicht morgenländische, sondern weltweite Fernsehweisheit.

„Dengler – Am zwölften Tag“, ZDF, Montag, 20 Uhr 15

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