Medien : ZDF-Rückblick: Satire mit den Stars der Politik

Fabian Grabowsky

Noch einer? Der satirische Jahresrückblick des ZDF ist ungefähr der 45. Rückblick in diesem Jahr. Wenn das so weitergeht, gibt es demnächst eigene Jahresrückblicke nur für Jahresrückblicke. Aber dieser kommt ohne „Tokio Hotel“ und Physik-Nobelpreisträger aus. Er ist ein politisch-satirischer Jahresrückblick. Und dafür gab es im Wahlkampfjahr 2005 genug Material.

Die Autoren Werner Doyé und Andreas Wiemers verantworten im Rest des Jahres die Satirerubrik „Toll!“ des ZDF-Magazins „Frontal 21“. Dieser Film ist ihr erster Jahresrückblick. Für sie und die Zuschauer gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Den beiden ist ein guter Film gelungen. Doyé und Wiemers mokieren sich gekonnt, worüber sie sich mokieren müssen: Schröders Liaison mit Gasprom, Stoibers München-Berlin-München-Volte und Joschka Fischers Egomanie. Meistens ist das bunt, schnell, witzig.

Nun die schlechte Nachricht – zumindest für die Autoren. Sie konnten nicht satirischer sein als die Realität. Für den Zuschauer muss das aber kein Nachteil sein: so ist der Film dort am stärksten, wo er diesen politischen Wahn in bislang nicht gezeigten Bildern vorführt. Wie Angela Merkel vor dem Fotografenpulk mit den Armen schlackert. Wie Edmund Stoiber sich seinen Die-begabtesten-Bevölkerungsteile-Ausfall zusammenstottert. Oder wie Dirk Niebel doziert, welche Lebenslust das wackelnde Hinterteil seines Dackels bei ihm weckt.

Das ist mehr als Klamauk. Diese Momente enttarnen die Politikshow, die dem TV-Zuschauer sonst in Nachrichten und Sonntagabend-Schwatzbuden vorgeführt wird. Auch Politiker sind – Vorsicht! – Menschen, wissen die Zuschauer plötzlich wieder, nachdem sie sich zunächst noch an den Kopf gefasst hatten. Das ist nicht die schlechteste Erkenntnis. Eine irgendwie beruhigende außerdem. Und deswegen muss dieser Rückblick noch sein.

„Der satirische Jahresrückblick im ZDF“; ZDF, 28. Dezember, 23 Uhr 45

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