Medien : ZDF: Stoltes Helfer

Iris Ockenfels

Auf der ZDF-Programm-Pressekonferenz leuchtet das neue Logo im trendigen Orange von den Wänden. Ganz so, als solle es die ZDF-Oberen mahnen: So wollt ihr sein - zeitgemäß und modern. Doch trotz der optischen Trendwende soll in der neuen ZDF-Saison 2001/2002 nicht alles anders werden. Als abschreckendes Beispiel für zu viel des Neuen hielt Intendant Dieter Stolte die gescheiterten Container- und Abspeckprogramme der Privaten die Überlegenheit der "klassischen Fernsehgenres" entgegen. Seine Strategie für das neue Jahr lautet, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren.

Das ist unbestritten der Fernsehfilm. Und so eröffnet im Januar Dieter Wedels Sechsteiler "Die Affäre Semmeling" das neue Fernsehjahr. Wedel ("Der König von St. Pauli") hat seine Kult-Geschichte über Bruno und Trude Semmeling aus den 70ern weitergeschrieben. Diesmal geht es um Hamburgs Politsumpf. Das Zweite hat für den Blick hinter die Kulissen der Hansestadt über 20 Millionen Mark springen lassen. Darsteller wie Mario Adorf, Robert Atzorn, Heinz Hoenig und Heiner Lauterbach sollen entsprechend viele Zuschauer locken. Ebenfalls aufwändig inszeniert ist die vierteilige DDR-Dorfgeschichte "Liebesau - mitten in Deutschland". Autor Peter Steinbach ("Klemperer") erzählt Geschichten aus der ostdeutschen Provinz zwischen Mauerbau und Mauerfall. Altbewährtes wird auch in Sachen Geschichte mit einer weiteren Guido-Knopp-Reihe geboten: Neu daran ist, dass Knopp diesmal nicht von Frauen oder Helfern Hitlers, sondern über "Die große Flucht" der Deutschen vor der Roten Armee am Ende des Zweiten Weltkriegs erzählt. Ein weiterer bekannter Name bleibt dem ZDF erhalten: Am 14. Dezember dieses Jahres leitet Marcel Reich-Ranicki zum letzten Mal das "Literarische Quartett", um sich ab Januar 2002 regelmäßig mit Peter Sloterdijk und zwei Gästen im "Philosophischen Quartett" zu streiten.

Dass bei MRR, Knopp und dem starbesetzten Fernsehfilm nicht viel schief gehen kann, ist relativ klar. Weniger selbstbewusst klingt Stolte, wenn es um Show und Unterhaltung geht, die ewigen Sorgenkinder im ZDF. Dem künftigen Show-Leiter Manfred Teubner bescheinigt Stolte jedenfalls eine "stabile Natur und einen unverwüstlichen Geist". Wichtiges Rüstzeug, um es längere Zeit auf dem "Feuerstuhl" (Stolte) im ZDF auszuhalten. Die Helfer in der Unterhaltungsnot sollen Ralph Morgenstern, Dirk Bach und Götz Alsmann werden. Ende Oktober 2001 lädt Profi-Lästermaul Morgenstern zur abendlichen Tratschrunde "Blond am Sonntag": Blonde Promis wie Hella von Sinnen oder Anke Engelke lassen sich über andere Promis und die Medienwelt aus. Man darf gespannt sein, ob im Revier von Raab und Schmidt noch Platz ist. Ende Dezember öffnet Dirk Bach das "Studio Bach" für unbekannte Unterhaltungskünstler. Die Show mit Götz Alsmann soll ganz auf das Multitalent zugeschnitten werden.

Ein Quotenziel wurde nicht ausgegeben. Mit dem aktuellen Marktanteil von 12,9 Prozent hält das ZDF den dritten Platz hinter ARD und RTL. Stolte gibt sich zufrieden. "Die Quote ist kein absolutes, sondern ein relatives Programmziel", betonte Stolte, der damit den Vorwurf einer Quotenfixierung der Öffentlich-Rechtlichen zurückwies. Dazu passt allerdings nicht so ganz das große Engagement, das er für das Boxen aufbringt. Im letzten Jahr hatte man sich auf dem Mainzer Lerchenberg noch sehr kritisch zu Faustkämpfen im Öffentlich-Rechtlichen geäußert. Da hatte die ARD ohne das Zweite Übertragungsrechte eingekauft. Nun scheinen alle Zweifel weggewischt. Im kommenden Jahr steigen die Klitschko-Brüder exklusiv für das Zweite in den Ring. Der bisherige Universum-Partner Leo Kirch ist aus dem Vertrag ausgestiegen. Die Mainzer haben mit dem Hamburger Boxstall eine langfristige Zusammenarbeit vereinbart, sicher mit großen Quotenhoffnungen.

Ein letzter Coup von Stolte, der Mitte März seinen Stuhl räumt. Zum Abschied hat er ein Sparprogramm verordnet, um den Fehlbetrag in der ZDF-Kasse auszugleichen. Im Klartext heißt das auch: Mehr Wiederholungen senden und Stellen abbauen. Wer die schwierige Aufgabe übernehmen wird, steht noch nicht fest. Klar ist jedenfalls: Nach 20 Jahren Stolte steht im neuen Progammjahr ein Generationswechsel an.

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