ZDF & G8 : Gipfelberichterstattung aus dem Auge des Hurrikans

Beim G-8-Gipfel berichtet das ZDF aus einem gläsernen Studio und führt mit dem NDR die Weltregie.

Andreas Frost

Wenn Petra Gerster, Peter Frey und Bettina Schausten aus einem ZDF-Studio senden, stehen sie normalerweise vor einer schlichten blauen Wand. Jetzt steht für die Moderatoren ein Kulissenwechsel an – auf Zeit. Denn während des G-8-Gipfels in Heiligendamm berichten sie teilweise aus dem sogenannten „gläsernen Studio“ des ZDF, das sich mitten auf dem Deich im nahe gelegenen Kühlungsborn befindet. Am Dienstag wurde es vom Sender vorgestellt.

Das Studio wird Dreh- und Angelpunkt der ZDF-Gipfelberichterstattung sein. Mit 380 Mitarbeitern und 150 Kameras ist der Mainzer Sender vor Ort. Zusammen mit dem NDR übernimmt er die so- genannte zentrale Weltregie. Die Sender liefern die Bilder und Töne von den Gipfel-Orten, bei denen nur wenige Journalisten zugelassen sind. Aus diesem Pool dürfen sich alle anderen internationalen Sender weltweit bedienen. Der Sender übernehme damit „eine große Verantwortung“, sagte ZDF-Intendant Markus Schächter. In Heiligendamm ist das ZDF unter anderem für das Briefing-Center zuständig, von wo aus acht Pressekonferenzen der Gipfelteilnehmer gleichzeitig übertragen werden können. Als einziger Sender dürfen die Mainzer zudem vom Hubschrauber aus Bilder von dem streng abgeschirmten Tagungsort machen. Der NDR hat seine Kameras hingegen vor allem im Grand Hotel aufgebaut.

Während im Bildhintergrund die Flotte der Wasserschutzpolizei im Bootshafen dümpelt, sollen vom „gläsernen Studio“ aus mindestens einmal „heute“, die 3sat-„Kulturzeit“ und die Kindersendung „Logo“ moderiert werden. Hinzu kommen täglich aktuelle Liveschaltungen zum „Mittagsmagazin “ oder zur Sendung „Drehscheibe Deutschland“. Auch von den Demonstrationen der Gipfelgegner und aus deren Camps in der Region, vom Jugendgipfel (J8) in Wismar sowie dem Treffen der J-8-Delegierten mit Merkel, Bush, Putin und Co will das ZDF übertragen.

Ergänzt werden die laut Sender insgesamt bis zu 40 Stunden dauernden Berichte rund um den Gipfel von zahlreichen Sondersendungen. Mit der „Langen Nacht zum G-8-Gipfel“ unter dem Motto „Afrika, wohin?“ (5. Juni, 0.35 Uhr) sowie „Und ewig lockt das Öl“ (6. Juni, 0.15 Uhr) beleuchten die Mainzer gleich zweimal die in Europa bislang eher unbeachtete Rolle Chinas für die Zukunft Afrikas, die auch beim Gipfel in Heiligendamm zentrales Thema ist. Die These: Durch Entwicklungshilfe und geschickte Diplomatie würde die chinesische Regierung Einfluss nehmen, sich dadurch Rohstoffe in Afrika sichern und die Europäer verdrängen. Sylvia Bleßmann, die inzwischen Leiterin des ZDF-Landesstudios Mecklenburg-Vorpommern ist, und Mathis Feldhoff haben sechs Monate lang mit der Kamera „Hinter verschlossenen Türen“ (1. Juni, 0.20 Uhr) beobachtet, wie der Gipfel im Grand Hotel, bei der Polizei oder beim Tourismusverband vorbereitet wurde. Andreas Frost

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