Medien : ZDF will Fifa-kritisch bleiben

Sender: Film über Korruptionsvorwürfe nur verschoben

Joachim Huber

Am 9. Juli endet die „Fifa WM 2006“. Dann wird manches schwerer im Leben, einiges aber auch leichter. Leichter wird es zum Beispiel für das ZDF, weil dann der schon länger im Arte-Programm geplante Themenabend zum Weltfußballverband und seinem Präsidenten Sepp Blatter ausgestrahlt werden soll. Das Thema war unter dem Titel „Fifa im Verdacht“ bereits für den 28. Juni angekündigt worden: Zwei Beiträge sollten das Thema aufnehmen; der eine Beitrag, eine ZDF-Produktion, war laut ZDF-Sprecher Alexander Stock noch nicht fertig gestellt. Das Kernstück war ein Einkauf von der BBC, Titel „The Beautiful Bung – Corruption and the World Cup“, Autor der bekannte Fifa-kritische Journalist Andrew Jennings. Die BBC strahlte den Film am 11. Juni aus, im Kern erhebt Jennings darin den Vorwurf, dass Funktionäre des Weltfußballverbandes über Jahre Schmiergelder angenommen hätten. Nach einem Bericht der französischen Zeitung „Le Monde“ sei in der Schweiz – die Fifa residiert ja in Zürich – eine einstweilige Verfügung gegen Film und Autor erlassen worden. Und der Kulturkanal Arte strahlt in die Schweiz aus.

Jennings Vorwurf Richtung Fifa ist so schwerwiegend, dass das ZDF den Film nicht ohne juristische Prüfung zeigen wollte. Stock begründete dies mit dem unterschiedlichen Medienrecht: Während in Großbritannien in der Regel die Beschwerdeführer nachweisen müssten, dass über sie unwahr berichtet worden sei, müssten in Deutschland die Redaktionen belegen können, dass alles, was berichtet werde, stichhaltig sei. Deswegen, so Stock, „die rechtliche Prüfung, deswegen laufende Gespräche mit der BBC in London.“ An der Ausstrahlung wolle das ZDF festhalten, zumal der zweite Beitrag zu Ende produziert sei.

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