ZDF Zoom : Bürokraten-Bashing mit der Schnullerkette

Absurde Verordnungen, Irrsinn auf den Amtsstuben: Die Sendung ZDF Zoom geißelt die deutsche Bürokratie - greift dabei aber zu tief in die Klischee-Kiste.

Richard Weber
Wie schlimm ist die deutsche Bürokratie wirklich?
Wie schlimm ist die deutsche Bürokratie wirklich?Foto: dpa

Wenn nichts mehr geht, Bürokratie-Kritik geht immer. Behördenwillkür ist als Thema schon ganz tief im Souterrain des deutschen Fernsehens angekommen. Tägliche TV-Wiederkäuer wie „Volle Kanne“ oder „Brisant“ haben die Thematik bis auf den nackten Knochen abgefieselt. Aber im Kampf um Zuschauer gibt es kein Pardon. Das ZDF gilt nicht von ungefähr als einer der aggressivsten Quotenjäger. Und Bürokratie-Bashing ist da eine sichere Sache. Der abgenagte Böse-Bürokratie-Knochen kriegt etwas Fleisch auf die Rippen und wird unter Titel „Vom Irrsinn der Bürokratie“ versendet.

Schon am Anfang ein tiefer Griff in die Klischee-Kiste. Da wird „kontrolliert“ und „geregelt, oft weit übers Ziel hinaus“. Und so geht es weiter: „52 Seiten umfasst die Schnullerkettenverordnung, obwohl Unfälle durch Schnullerketten nicht bekannt sind.“ Ein Land mit so einer Verordnung, kann ja nur ein Ort des Irrsinns sein. Man könnte argumentieren, dass es keine Unfälle mit Schnullerketten gibt, weil es eben diese Schnullerkettenverordnung gibt. Aber das würde die ausgedachte und schön formulierte Kampfthese ja nur unnötig aufweichen. Wir sind beim Fernsehen, nur nicht den Zuschauer verunsichern, der schaltet sonst noch um.

Und weiter geht’s mit einer Frage: „Gefährdet der Regulierungswahn den Standort Deutschland?“ An dieser Stelle nichts weiter als ein rhetorisches Feigenblatt. Das Ergebnis der 30-Minuten-Doku ist nach 1 Minute und 11 Sekunden ganz klar. Weil aber die restliche Beitragszeit auch noch gefüllt werden muss, gibt es jede Menge Beispiele für das Gefährdungspotential der deutschen Bürokratie.

Der Kampf gegen die angebliche Behörden-Willkür

Blöderweise behandelt der erste Fall eher ein privates Problem. Eine Frau will bauen. Eine umgefallene Zeder, zu geringer Abstand des Baus zum Nachbargrundstück, ein morscher Baum, ebenfalls auf dem Nachbargrundstück, Zutaten, die diesen Fall ziemlich kleinkariert und regelwütig erscheinen lassen. Trotzdem eine gute Gelegenheit für die Autorin, sich in Pose zu werfen. Als selbst ernannte Don Quichotta kann sie vor der Kamera gegen Behörden-Willkür kämpfen.

Leider hat der erste Gegner, ein Behördensprecher ziemlich gute Gegenargumente. Nach seiner Aussage gibt es nämlich zwei Baugenehmigungen, eine vereinfachte mit großer Eigenverantwortung und eine umfassende, bei der sich die Verwaltung um alles kümmert. Aber das passt der Dame so gar nicht in den Kram. Ein ziemlich schlecht gespielter Ausbruch an Empörung über das pieselige Amt und schon kommen in der Hitparade des Behördenwahnsinns die nächsten Auftritte.

Ein Kitabau, der sich in die Länge zieht und ein Bäcker, der Probleme mit dem Bodenbelag hat. Glatter, unfallträchtiger Untergrund oder doch unhygienische Noppen. Die Tatbestände werden so einseitig und so eindeutig in eine Richtung getrimmt erzählt, dass jeder normale Bürger wirklich nur den Kopf schütteln kann. Zynische Pointe dieses ausgesprochen unjournalistischen Kampagnenstückes. Die Autorin war schon öfters Gast in diversen Talkshows und hat dort über betrügerische Hartz-4ler geschimpft. Ganz nach dem populistischen Motto – jeder der wirklich arbeiten will, der findet auch eine Arbeit. Und die Dame hat auch immer wieder härtere Gesetze und Vorschriften gefordert.

Konrad Adenauer soll mal gesagt haben „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.“ Aber der Ausspruch geht noch weiter: „Nichts hindert mich, weiser zu werden.“ Das könnte die Reporterin doch direkt mindestens 1000 Mal aufschreiben.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben