ZDFdonnerstalk mit Dunja Hayali : Sofortige Urlaubsverkürzung für Maybrit Illner!

Oberflächliches Kratzen an Problemen: Der "ZDFdonnerstalk" mit Dunja Hayali ist ein schwacher Ersatz für die urlaubende Maybrit Illner.

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Dunja Hayali, Moderatorin des "donnerstalk" im ZDF.
Es reicht nicht ganz: Dunja Hayali kann mit ihrem "donnerstalk" im ZDF Maybrit Illner während deren Urlaub nicht wirklich...Foto: ZDF

Beitrag über Therapiehund – wirklich eine Geschichte „mit sozialpolitischem Zündstoff mitten aus dem Leben“? Hayalis Hund steht auf Leberwurst – wirklich ein Thema, das Deutschland in diesem Sommer bewegt? Tag der offenen Tür in einem unbewohnten Flüchtlingsheim – wirklich ein Eintauchen „in Konfliktzonen unserer Gesellschaft“? Schein und Wirklichkeit. Aufgedonnerte Internet-Poesie auf der ZDF-Seite und ernüchternde Sendungsrealität.

„ZDFdonnerstalk“ heißt das neue Talkmagazin. Für die Sommerpause von Maybrit Illner hat sich das Zweite mal was Innovatives ausgedacht. Das Konzept - „Stern-TV“ im ZDF-Mantel. Moderiert werden die „spannenden Reportagen“ und „authentische und überraschende Geschichten“ von „Morgenmagazin“-Dame Dunja Hayali. Zu Beginn ein kurzer Talk. Monica Lierhaus, Sportmoderatorin, die mit ihrer Behinderung lebt, hat einen Hund. Sie hat einen Beitrag gemacht über einen MS-Kranken, der einen Therapiehund hat. Lierhaus und Hayali kennen sich schon länger. Muss trotzdem wertvolle Sendezeit mit nervendem Kumpelinen-Small-Talk verplempert werden? Bringt das die Zuschauer weiter, ob das der erste Live-Auftritt von Lierhaus nach 7 Jahren ist oder nicht?

Sascha Lobo gegen Alexander Gauland

Erste Reportage – Hayali besucht ein Flüchtlingsheim. Gerade mal zwei Sekunden bekommt man ein Flüchtlingszimmer gezeigt. Der Rest – Interviews mit Besuchern, der Pressedame des Heimbetreibers und Anwohnern. NPDler und rechtsradikale Demonstranten wollen nichts sagen. Schlusssatz eines Hausbesitzers im Unterhemd: „Es gibt Menschen, die sich wie Tiere verhalten.“ Schlimme Aussage. Kommentierung unnötig. Aber nicht für die kritische und einfühlsame Hayali. Sie muss jedem überdeutlich klarmachen, was er von so einer Aussage zu halten hat.

Alltag im Flüchtlingsheim
Milat aus dem Iran schleift mit anderen die Außenseite des Kunstasyl-Bauwagens. Er ist das Symbol des Projekts. Das Heim befindet sich im Hintergrund. Im Februar hat die deutsch-schweizerische Künstlerin Barbara Caveng in einem Heim für Asylsuchende in Spandau ein Kunstprojekt begonnen. Beim "Kunstasyl" entscheiden die Bewohner mit den Künstlern gemeinsam, was sie tun wollen, um das Heim zu einer Heimat zu machen - und sei es auf Zeit. Ein Teil der Fotos von Till Rimmele sind am 23. Juli 2015 auch in einem vierseitigen Dossier zum Thema im gedruckten Tagesspiegel erschienen, oder nachzulesen im E-Paper.Weitere Bilder anzeigen
1 von 22Foto: Till Rimmele
23.07.2015 00:02Milat aus dem Iran schleift mit anderen die Außenseite des Kunstasyl-Bauwagens. Er ist das Symbol des Projekts. Das Heim befindet...

Kurzes Flüchtlings-Gespräch. Der Journalist und Blogger Sascha Lobo gegen den stellvertretenden Parteivorsitzenden der AfD, Alexander Gauland. Der Politiker Gauland macht die böse Politik für die Situation verantwortlich. Lobo macht Gauland für die Situation verantwortlich. Lobo hat aber auch die wirklich Schuldigen enttarnt: „Da sind unglaublich viele Menschen, die einfach schieren Hass auf Flüchtlinge und auf alles Andersartige mit sich rumtragen. Und das ist ein Problem.“ Seine Problemlösung: „Da sagen “Stop“, das geht nicht, ihr seid auf der falschen Seite.“

Cybermobbing wird als nächstes Problem gelöst

Nach dieser Kinderversion politischer TV-Diskussionskultur wird das nächste Thema abgespult. Cybermobbing. Beitrag über den Sportjournalisten Dieter Matz, der entsetzt ist über menschenverachtenden Hass-Reaktionen auf seinen Sportblog über den Hamburger SV. Der Sportjournalist ist dann auch im Studio. Sagt dort ähnliche Dinge wie im Beitrag. Dirk Heckmann, Professor für Internetrecht, fordert ein „Cybermobbing-Gesetz“. Damit wäre auch das Problem gelöst.

Dann wird’s gefühlvoll. Tätschel-Tätschel-Talk von zwei Hundeliebhaberinnen. Kurzer Wortwechsel über die Aussage von Lierhaus, dass sie die Hirnoperation nicht mehr machen würde. Dann kommt ihre Gastreportage über einen Therapiehund. Dann Gespräch im Studio. Lierhaus und eine Hundetrainerin. Warum die Krankenkassen die Kosten für Therapiehunde nicht übernehmen, wird nicht von einem Vertreter der Krankenkassen, sondern von einem Arzt eher unzureichend beantwortet. Die Hundetrainerin fordert mehr Studien. Dann berufliche Zukunftswünsche von Lierhaus. Boris Becker und Dirk Nowitzki müssen noch interviewt werden.

Schon ist die aufpeitschende Häppchen-Wundertüte leer. Der Parforceritt durch abgedroschene Themen und andere Belanglosigkeiten beendet. Oberflächliches Kratzen an Problemen. Nicht „informativ, kontrovers und authentisch“, sondern lausig, langweilig und lückenhaft. Man müsste mal Maybrit anrufen. Urlaubsverkürzung. Dringender Notfall.

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