Medien : Zeitreise oder Wachkoma?

„Life on Mars“: Ein Krimi der anderen Art

Till Frommann

„Life on Mars“ ist eine ganz gewöhnliche Krimiserie, nichts Besonderes eigentlich. Bis Sam Tyler, der die Ermittlungen eines Mordfalls in Manchester leitet, überfahren wird und sich plötzlich nicht mehr in der Gegenwart, sondern mehr als 30 Jahre zurück im Jahre 1973 befindet. Vergangenes Jahr wurde die achtteilige BBC-Serie „Life on Mars“ mit einem „Emmy“-Award als beste Dramaserie ausgezeichnet. Kabel 1 zeigt nun an vier Samstagabenden je eine Doppelfolge der Ausnahmeserie.

Für Tylers Zeitsprung werden dem Zuschauer verschiedene Erklärungen des Phänomens angeboten: Ist der Ermittler tatsächlich durch die Zeit gereist? Liegt er im Wachkoma? Oder ist er wahnsinnig geworden?

Indiz Nummer Eins dafür, dass er im Koma liegt: Er hört Stimmen von Ärzten, die sich über seinen Zustand beraten. Hört das Piepen der lebenserhaltenden Geräte, die offenbar um ihn herum stehen. Indiz Nummer zwei: Die gesamte Siebziger-Jahre-Retro-Welt wirkt wie ein surreales Abziehbild. Tyler arbeitet zwar ebenfalls als Polizist, jedoch nicht mehr in einer leitenden Funktion. Sein Chef, Detective Chief Inspector Gene Hunt, wirkt in seiner grobschlächtigen und brutalen Art überzeichnet. Und nicht nur seine Methoden der ermittlerischen Aufklärung haben etwas Groteskes. Überhaupt fragt sich der Zuschauer, was ist wahr, was unterbewusster Traum?

Unheimlich wird es, als ein Professor in Tylers Schwarz-Weiß-Fernseher über seinen Zustand doziert. Grandios seine verzweifelte Reaktion auf diese verwirrende Lage: „Meine Fantasie kann sich nicht unendlich viele Einzelheiten ausmalen. Ich werde so lange laufen, bis ich mir keine Gesichter mehr einbilden kann. Oder Straßen.“ Was ist die Wirklichkeit? Oder sollte er womöglich doch wahnsinnig geworden sein? Doch was ist wahrhaftig an dieser Welt? Diese Frage hat die Philosophen der Antike seit jeher genauso beschäftigt wie moderne Filmemacher. Fesselnd wird es, wenn sie so durchdekliniert wird wie in diesem Fall.

„Life on Mars – Gefangen in den 70ern“, Kabel 1, 20 Uhr 15

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