Zeitschrift : Alles doppelt, oder was?

Zwei Medien, eine Redaktion: G + J legt "Brigitte" mit brigitte.de zusammen. Eines wird sich wohl nicht ändern: die Bereitschaft der Frauen, im Internet Geld zu bezahlen - für die Themen Partnersuche und Abnehmen.

Simone Schellhammer
WIRECENTER
Lifestyle. Die Zeitschrift "Brigitte"Foto: Promo

Und am Schluss wird alles eins. Unter dieses Motto könnte man derzeit zahlreiche Verlagsaktivitäten in Deutschland stellen. Darum ging auch ein Raunen durch die Fachdienste, als Gruner und Jahr Anfang des Monats mitteilte, dass man die Redaktionen von „Brigitte“ und „brigitte.de“ ab Mai zusammenlegen werde. Andreas Lebert, seit 2002 Chefredakteur der „Brigitte“, und Brigitte Huber, seit 2007 Chefredakteurin Neue Medien in der Verlagsgruppe „Brigitte“ sowie Stellvertreterin Print, verantworten künftig alle Inhalte als gleichberechtigte Doppelspitze. Als Antwort auf Spargerüchte, stellten beide im Gespräch mit dem Tagesspiegel klar, dass mit der Umstrukturierung keinerlei Einsparungen verbunden seien. „Keine einzige Stelle wird dadurch wegfallen“, sagt Lebert.

Die Idee, Print und Online mit allen Ablegern zusammenzuführen, sei bei einem Abendessen im Juni 2008 geboren worden. „Da gab es noch keine Weltwirtschaftskrise“, sagt Lebert. Im Oktober 2008 wurden alle 140 Redaktionsmitarbeiter zu einem zweitägigen Workshop samt Brainstorming eingeladen. „Das kennzeichnet die ,Brigitte‘-Redaktion, dass hier viele meinungsstarke, konfliktfreudige Frauen arbeiten“, sagt Brigitte Huber. Vor allem bei der Frage der Raumaufteilung krachte es immer wieder. Bisher saß die Printredaktion im Hauptgebäude des Hamburger Verlagshauses am Baumwall und die Onliner gegenüber in einem anderen Haus. Beide Gebäude liegen direkt an den Landungsbrücken. Nun werden die Mitarbeiter zwischen diesen beiden Standorten neu verteilt. Langfristig sollen sie alle ins Hauptgebäude ziehen, das aufgrund seiner kreisrunden Fenster und zahlreichen Außengeländer oft mit einem Schiff verglichen wird. In diesem Schiff gibt es bislang fast nur Einzel- oder Doppelkabinen. Das soll sich ändern, wobei das Wort „Großraumbüro“ vermieden wird.

Die Marke „Brigitte“ ist zu einem Dampfer mit vielen Beibooten geworden. Außer dem 1954 gegründeten Heft gibt es noch „Brigitte Woman – Das Magazin für Frauen über 40“, „Brigitte Balance – Das Beste für Körper und Seele“, diverse „Brigitte Specials“ und „Brigitte Extras“, eine Hör- und eine Kochbuchedition sowie die Webseiten brigitte.de und bym.de. In all diesen Publikationen werden Themen wie Mode, Kosmetik, Psychologie oder Ernährung behandelt. Da liegt es nahe, einzelne Ressorts stärker zu bündeln. „Als die Meldung auftauchte, dass Pilates möglicherweise gesundheitsschädlich ist, wurde hier an fünf verschiedenen Stellen dazu recherchiert“, erklärt Brigitte Huber. „In Zukunft würden es wohl nur noch zwei Redakteurinnen sein.“ Zwei Redakteurinnen, die dann vielleicht für die gleiche Arbeit unterschiedliches Geld bekommen. Da die Onliner zu „G + J Women New Media“ gehören, haben sie andere Verträge als alteingesessene Gruner- und-Jahr-Angestellte. Diese „Unwucht“, so Andreas Lebert, soll bald behoben werden.

Ein Grund für Hubers Beförderung zur gleichberechtigten Chefredakteurin dürfte der Erfolg von „brigitte.de“ sein. Nach einem Relaunch im Februar ist die Website zum Reichweitenführer im Frauensegment geworden. Sie hat mit 78,2 Millionen die meisten Page Impressions (PI). Diese Klickanzahl ist eine oft kritisierte Maßeinheit, die die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) erhebt und die für Anzeigenkunden wichtig ist. Durch Fotoreihen oder Spiele lässt sich die Zahl der PIs erhöhen. Bei der relevanteren Zahl der Visits und der Unique User liegt „brigitte.de“ auf Platz drei hinter der Website „gofeminin.de“ (Axel Springer Verlag) und „fem.com“ (Pro Sieben Sat 1 Media AG) . Letztere bündelt zahlreiche Frauenwebsites und hat allein deswegen mehr Visits.

Neben dem Erlös durch Online-Anzeigen nimmt „brigitte.de“ auch über einen Online-Shop Geld ein. „Die Bereitschaft, im Internet Geld zu zahlen, beschränkt sich bei Frauen meist auf die Themen Partnersuche und Abnehmen“, sagt Brigitte Huber. Mit Blick auf ihre Ernennung zur Chefredakteurin freut sie, dass sich nun die oft gestellte Frage, warum ausgerechnet ein Mann Deutschlands erfolgreichste Frauenzeitschrift führt, erübrigt hat.

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