Zeitschrift "Wired" : Geeks lieben Speiseeis

Bunt gemischt: Die erste und vorerst einzige deutsche Ausgabe des Magazins „Wired“ erscheint zusammen mit "GQ".

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Totally Wired - allerdings nur einmal.
Totally Wired - allerdings nur einmal.Repro: Promo

Die Zeitschrift „Wired“ war schon immer etwas anders. Das trifft nun genauso auf die erste deutsche Ausgabe dieses Magazins für Technik, Lifestyle, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur zu, die am Donnerstag zusammen mit der Oktoberausgabe von „GQ Gentlemen’s Quarterly“ an den Kiosk kommt. Mit einem gewöhnlichen Internet- und Computerheft lässt sich „Wired“ nicht vergleichen. Einen Bericht über Tierversuche ohne Blutvergießen würde es dort genauso wenig geben wie ein Porträt des Berliner Professors Ulf Stahl, der sich in seiner Freizeit für die perfekte Wodka- und Gin-Formel interessiert. Und auch das Stück über „Coole Formen“ und die Neuerfindung von Speiseeis passt nicht in das Bits- and Byte-Schema.

Thomas Knüwer, Ex-„Handelsblatt“- Blogger und Chefredakteur der deutschen „Wired“-Ausgabe, möchte mit dem Heft zeigen, dass Deutschland nicht so technikfeindlich ist, wie es viele Medien und Politiker scheinen lassen. „Da draußen gibt es faszinierende Menschen, die mit Leidenschaft technische und wissenschaftliche Themen angehen. Doch sie finden praktisch nicht in der medialen Öffentlichkeit statt. Wir meinen: Deutschland sollte Geeks mehr Raum in der Gesellschaft geben – damit das Land eine Technologienation bleibt.“ Im Zentrum des 130-Seiten-Heftes stehen genau diese Menschen, die durch ihr großes Interesse an wissenschaftlichen und visionären Themen auffallen. Auf 30 Seiten werden Personen vorgestellt, für die „,German Angst‘ kein Bestandteil der DNA unserer Gesellschaft ist“, wie es Knüwer formuliert. Mit dabei: der Wissenschaftler Sandro Gaycken. Mit seiner Bulligkeit und Aggressivität ist der Harley-Davidson-Fan alles andere als „Schwiegermutters Liebling“ . In „Wired“ legt der IT-Sicherheitsexperte dar, warum in einem Cyberwar jene Armeen bessere Chancen haben, deren Systeme möglichst wenig Funktionen haben und weitgehend unvernetzt sind. Interneturgestein Bernd Kolb will die klügsten Köpfe der Welt in einem Think Tank zusammenbringen. Sein Ziel: Strategien für eine bessere Welt entwickeln. Auch Markus Beckedahl hat ehrenwerte Ziele, die er zusammen mit Gleichgesinnten im Verein Digitale Gesellschaft umsetzen will. Andreas Illiger dagegen hat sich angeschaut, wie der Spielegeschmack der iPhone-Nutzer aussieht. Sein Spiel „Tiny Wings“ schaffte es in Deutschland und den USA auf Platz eins und machte ihn zum Millionär.

Großzügige Optiken mit doppelseitigen Fotos halten das Heft zusammen, Grafiken veranschaulichen ungewöhnliche Sachverhalte. So wie den, warum sich kleine Tiere schneller schütteln müssen, um ihr nasses Fell zu trocknen – was für die Hersteller von Waschmaschinen interessant ist. Zu den Autoren gehören Richard Gutjahr und Mario Sixtus, der Architekt und Kurator Friedrich von Borries sowie der Mathematiker und Philosoph Gunter Dueck. Für ihn ist die von „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher behauptete Auslagerung des menschlichen Gedächtnisses an Google kein Grund zur Sorge.

Die Startauflage des deutschen „Wired“ beträgt 160 000 Exemplare. Zusammen mit der „GQ“ kostet das Magazin fünf Euro. Die gleiche Ausgabe wird im Folgemonat einzeln vertrieben, dann für 3,80 Euro. Weitere Ausgaben sind derzeit nicht geplant. Eine iPad-App (drei Euro) enthält zusätzlich Videoporträts und 360-Grad-Ansichten der im Heft vorgestellten Gadgets. Geeks lieben nicht nur Speiseeis, sondern besonders technische Spielereien.

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