Zeitschriften : ''Tauschgeschäft wie die Liebe''

"Bunte"-Chefin Patricia Riekel spricht mit dem Tagesspiegel über Freundschaften mit Promis und Unabhängigkeit.

Sonja Pohlmann
Patricia Riekel
Patricia Riekel. -Foto: ddp

Frau Riekel, vergangene Woche waren Sie auf der Hochzeitsfeier von Sabine Christiansen, gestern Trauzeugin bei Udo Walz – waren Sie als Journalistin oder als Freundin zu Gast?

Bei Sabine Christiansen war ich vor allem als Freundin eingeladen, aber als Journalistin habe ich auch für die „Bunte“ geschaut, wer da war und wie die Hochzeitszeremonie war. Gestern war das anders. Udo Walz ist mein bester Freund, und obwohl ich als einzige Journalistin in dem intimen Moment der Eheschließung dabei war, werde ich darüber nicht berichten.

Unabhängigkeit ist eine der wichtigsten journalistischen Eigenschaften. Fällt es Ihnen schwer, zwischen Beruf und Freundschaft zu trennen?

In diesem Fall ist das leicht. Eine Hochzeit ist ja kein Event, das man besucht um mit kritischem Sinn darüber zu berichten.

Trotzdem wird es andere Gelegenheiten geben, bei denen Sie zwischen Beruf und Freundschaft abwägen müssen.

Jeder Journalist, der über Freunde und Bekannte berichtet, hat dieses Problem: Wie nah darf ich jemandem bei der Recherche kommen? Was mache ich mit dem Vertrauen, das mir jemand entgegenbringt? Oder wenn mir jemand sein Herz ausschüttet und sagt, „Darüber darfst Du nicht schreiben“. Dieses Problem kennen auch Polit- und Wirtschaftsjournalisten, die zum Beispiel Politiker duzen oder zu deren Privatfesten eingeladen werden. Natürlich versucht der Politiker, über diese Beziehungen sein Image aufzuwerten. Man muss jede Beziehung, die man beruflich eingeht, extrem überprüfen.

Gleichzeitig profitiert die „Bunte“ von Ihrer Freundschaft mit Prominenten.

Ja und nein. Prominente enger zu kennen hat den Vorteil, dass man spannende Geschichte eher erfährt, denn Nähe erzeugt Vertrauen. Andererseits bedeutet Freundschaft auch Loyalität und Rücksichtnahme. Wenn man zu eng mit einem Prominenten befreundet ist, kann das auch eine Art Beißhemmung auslösen. Deswegen ist es für Journalisten besser, neutral zu bleiben und sich nicht mit Prominenten anzufreunden.

Zahlt die „Bunte“ eigentlich Geld dafür, um exklusiv über Hochzeiten berichten zu dürfen?

Nein. Ich glaube auch nicht, dass Frau Christiansen eine finanzierte Hochzeit braucht.

Aber wenn es nicht am Geld liegt – warum teilen die Prominenten solche intimen Momente mit der Öffentlichkeit?

Prominente sind ja überhaupt erst prominent, weil sie in die Öffentlichkeit gehen. Und diese öffentliche Aufmerksamkeit ist es, die ihren Marktwert zum Beispiel bei Werbeverträgen steigert. Das ist ein Grund, warum viele Prominente oft auch private Angelegenheiten vermarkten.

Versuchen Sie auch, das öffentliche Bild selbst zu steuern? Paparazzi würden die Bilder sowieso bekommen.

Wenn die Neugier der Öffentlichkeit groß ist, stehen Prominente vor der Entscheidung, sich dem Gedränge der Paparazzi aussetzen oder ein Arrangement mit einer Agentur zu treffen, die die Fotos dann weiterverkauft. Oder mit einer Zeitschrift, die dann exklusiv berichtet.

Ein Tauschgeschäft also?

Das ist wie in der Liebe. Wenn sie sich verlieben, möchten sie wiedergeliebt werden. Die Prominenten und die Zeitschriften sind eine Symbiose. Wir brauchen wie jedes andere Medium Geschichten, über die wir berichten können. Und die Medien sind die Bühne, auf der die Prominenten stattfinden.

Warum interessieren sich die Leute für diese privaten Geschichten?

Manchmal sehen sie es als Vorlage für ihr eigenes Leben. Natürlich interessieren sich Menschen für Politiker und Wirtschaftbosse, weil deren Entscheidungen teilweise ihr Leben mitbestimmen und gestalten. Von ihnen möchte man wissen, ob sie tatsächlich so zuverlässig sind, wie sie sich verkaufen. Das Privatleben gibt darüber Aufschluss, wie jemand wirklich lebt und denkt. Viele Prominente inszenieren ihre Events entsprechend.

Was passiert, wenn sich Sabine Christiansen und Udo Walz von ihren Männern trennen? Als Journalistin müssten Sie berichten, als Freundin ist es Ihre Aufgabe, Ihre Freunde vor Leid zu schützen.

Natürlich übernehme ich Verantwortung, wenn ich eine Freundschaft annehme. Aber sollten diese Ehen scheitern, was niemand hofft, berichten wir natürlich darüber. Ich habe dann kein Problem, mich auf die professionelle Ebene zu begeben. Meine Freunde werden das auch verstehen.

Das Gespräch führte Sonja Pohlmann

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben