Zeitschriften : Verlage für Kurzarbeit

Ungewöhnliche Maßnahmen in der Wirtschaftskrise: Bei Gruner und Jahr werden Mitarbeiterdarlehen diskutiert

Sonja Pohlmann

Normalerweise ist es der Arbeitgeber, der Geld an seine Mitarbeiter zahlt. Doch schon bald könnten die Beträge im Hamburger Verlagshaus Gruner und Jahr („Stern“, „Brigitte“) auch den umgekehrten Weg fließen. Der Verlag leidet wie nahezu die gesamte Printbranche unter dem durch die Wirtschaftskrise bedingten Anzeigenrückgang. Deshalb erwägt der Konzernbetriebsrat eine ungewöhnliche Lösung: Die Mitarbeiter sollen G+J ein Darlehen gewähren. „Die Arbeitnehmervertreter könnten sich einen Beitrag in der Weise vorstellen, dass Mittel, die von ihnen zur Verfügung gestellt, in die Zukunft des Konzerns investiert werden“, schreibt Konzernbetriebsratschef Bernd Köhler in einem internen Informationspapier. Sicherzustellen sei, dass die Belastung der Mitarbeiter in Grenzen gehalten werde, die Maßnahme befristet sei.

Wie genau ein solches Darlehen funktionieren könnte und um welche Summen es sich handeln soll, dazu will sich Köhler nicht äußern. Doch dürften seine Vorschläge derzeit mit dem G+J-Aufsichtsrat sowie Personal- und Finanzvorstand Achim Twardy diskutiert werden. Thema wird dabei auch Kurzarbeit sein. Zwar gebe es dazu aktuell „keine konkreten Pläne oder Beschlüsse“, teilt G+J-Sprecher Kurt Otto mit: „Gleichwohl ist es vor dem Hintergrund der weiterhin negativen Geschäftsentwicklung nachvollziehbar, auch solche Themen prinzipiell und ergebnisoffen zu prüfen. Hierzu gab es erste unverbindliche Gespräche mit dem Konzernbetriebsrat“.

Auch beim Hamburger Jahreszeitenverlag („Petra“, „Für Sie“) könnte nächste Woche die Entscheidung für Kurzarbeit fallen, um einen Abbau von Stellen zu verhindern. „Detailfragen“ seien noch zu klären, teilte der Verlag mit, aber Geschäftsführung und Betriebsrat gingen davon aus, „kurzfristig“ eine entsprechende Vereinbarung zu treffen.

„Dass die Verlage zu solchen bisher nie dagewesenen Maßnahmen in der Branche greifen, zeigt, unter welchem Druck sie stehen“, sagt Dirk Platte vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ).

Der Axel Springer Verlag war der erste deutsche Verlag, der Anfang April für seine Tochter Financial Media ( „Euro am Sonntag“, „Euro“, „Fonds & Co“) Kurzarbeit eingeführt hatte. Vier statt fünf Tage arbeiten hier seither die Mitarbeiter bis auf Geschäftsführung, Leitende Redakteure und Verkäufer. Zwar erscheinen die Hefte weiterhin im üblichen Rhythmus, aber da weniger Anzeigen geschaltet würden, verringere sich auch der Umfang der Hefte, entsprechend verringere sich auch die redaktionelle Arbeit. 20 Prozent spart Springer durch die Kurzarbeit, die Mitarbeiter verdienen aber nur etwa zehn Prozent weniger. Die Differenz wird durch das Kurzarbeitergeld der Bundesagentur für Arbeit ausgeglichen.

Ab August soll das Modell jedoch nicht weiter fortgeführt werden. Der Verlag müsse davon ausgehen, „dass sowohl die Krise der Banken- und Finanzwirtschaft als auch die Phase reduzierter Anzeigenerlöse in Folge der Konjunkturkrise weiter anhalten. Eine Fortsetzung der Kurzarbeit kann daher keine Lösung sein. Management und Betriebsrat werden in den kommenden Wochen alternative Lösungsmodelle sondieren“, sagte Springer-Sprecher Christian Garrels am Freitag. Titeleinstellungen oder Entlassungen seien derzeit aber nicht geplant.

Condé Nast („Glamour“, „AD“) und Burda („Focus“, „Bunte“) versuchten es erst gar nicht mit dem Modell Kurzarbeit. Statdessen stellten beide Verlage mit der „Vanity Fair“ (Condé Nast) sowie „Amica“, „Tomorrow“ und „Young“ (Burda) komplette Magazine ein. Bei Burda hatte Vorstandsmitglied Paul-Bernhard Kallen zudem angekündigt, in einigen Bereichen weiter „mit Augenmaß“ Personal abzubauen. „Wir müssen uns auf mehrere Jahre rückläufiger Konjunktur einstellen.“ Sonja Pohlmann

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