Medien : Zeitschriften: Zahl-Tag

Ulrike Simon

Mit Machern von Wirtschaftsmagazinen ist zurzeit nicht so leicht zu scherzen. Höchstens mit jenen, die Galgenhumor besitzen. Warum das so ist, zeigen die gerade veröffentlichten Auflagenzahlen des zweiten Quartals 2001. Noch vor einem Jahr überschlugen sich die Verlage mit Neugründungen in der Wirtschaftspresse. Alle redeten von New Economy und Aktienkursen. Mittlerweile sehen die Wirtschaftstitel nicht nur wegen der Anzeigenlage ziemlich dünn aus. Zusammen haben sie im zweiten Quartal 11,5 % weniger Exemplare verkauft. Am schlimmsten hat es die Gruner + Jahr-Titel "Börse Online" (204 019 verkaufte Exemplare) und "Bizz" (117 652) sowie die Springer-Blätter "Euro am Sonntag" (132 123) und "Finanzen" (111 160) getroffen. Sie haben im Vergleich zum Vorjahresquartal zwischen 22,2 und 34,8 %, also praktisch ein Drittel ihrer Auflage verloren. Einzige Gewinner in diesem Segment sind "Impulse" (plus 8,4 % auf 144 493 Exemplare) und "Manager Magazin" (plus 2,7 % auf 119 713).

Glücklich wirken in diesen Tagen nur Verleger von Jugend- und monatlichen Frauenzeitschriften. Insgesamt fanden die Jugendtitel 17,9 Prozent mehr Käufer als im Vorjahr. Das Segment wuchs vor allem dank "Bravo" und "Yam". Offensichtlich hat dem Teenie-Klassiker die neue Konkurrenz aus dem Axel Springer Verlag gut getan. "Bravo" verkauft aktuell 832 533 Exemplare (plus 22,4 %). Und "Yam" fand immerhin 370 967 Käufer. 72,9 % mehr Auflage machte außerdem "Popcorn" (324 042 Exemplare).

Die gespanntesten Blicke ziehen nach wie vor die aktuellen Illustrierten auf sich. Knapp, ganz knapp konnte sich der "Stern" seinen Ruf als auflagenstärkstes Wochenmagazin bewahren: Fast unverändert 1 082 683 Hefte verkaufte der "Stern" im zweiten Quartal. Bedrohlich nähert sich jedoch von unten der "Spiegel". Um 7,1 % beziehungsweise um 72 011 Hefte auf 1 079 701 wuchs die Auflage an. Die beiden trennen also nur noch 2982 Exemplare. Die beiden werden sich in der nächsten Zeit sicherlich einen heißen Wettlauf liefern. Auch "Bunte" (plus 5,1 %) liegt gut im Rennen - Promi-Geschichten mögen die Leser momentan generell besonders gern. Im verlagsinternen Wettbewerb hat "Bunte" nunmehr "Focus" endgültig überholt. Helmut Markworts Montagsmagazin verkaufte von April bis Juni im Wochenschnitt 757 257 Exemplare und ist damit weit entfernt von der Hamburger Konkurrenz aus dem Hause Rudolf Augsteins. Ach ja, und dann wäre da noch "Max". Das Magazin ist keine Lifestyle-Zeitschrift mehr, zählt aufgrund seiner 14-täglichen Erscheinungsweise aber auch nicht zu den aktuellen Illustrierten. Das Blatt aus der Verlagsgruppe Milchstraße meldet für das zweite Quartal 304 293 verkaufte Exemplare - das sind 15,2 % mehr als vor einem Jahr, als es nur monatlich erschien. Damit hat "Max" das offiziell ausgerufene Verlagsziel von 250 000 verkauften Heften deutlich überschritten. Große Probleme hat die Milchstraße mit "Tomorrow". Am Freitag kündigte der Verlag an, dass das Blatt wieder monatlich erscheint. Warum, sagen wieder einmal die Auflagenzahlen: 123 105 Käufer weniger entschieden sich für die Internet-Illu (minus 36,8 %) - ganz zu schweigen von den fehlenden Anzeigenkunden.

Denkt man an die Zeiten zurück, als die 14-täglichen Programmzeitschriften "TV Movie" (2 427 249) und "TV Spielfilm" (2 209 791), beide Kinder der 90er Jahre, unangefochtene Auflagensieger waren, könnte es einem die Tränen in die Augen treiben. Einst kratzten sie an der Drei-Millionen-Grenze. Doch sie kosten ja auch 2 Mark 70 - da greifen die Käufer lieber zu den 1 Mark 20 billigen Titeln "TV Direkt" (plus 22,6 % auf 949 918 Exemplare) und "TV 14" (plus 27,7 % auf 1 996 420).

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