Zeitschriftenverleger : Offen für neue Ideen

Zeitschriftenverleger rechnen nur mit leichtem Erlösrückgang. Sie setzen weiter aufs Internet. Die Titel „Landlust“, „Neon“ und „InTouch“ geben der Branche Hoffnung.

Sonja Pohlmann

Noch ist das Angebot so gut wie nie zuvor: Zwischen 886 unterschiedlichen Publikumszeitschriften konnten die Leser 2007 in Deutschland wählen, innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Titel damit verdoppelt. Doch diese Auswahl dürfte sich bald reduzieren, prognostiziert der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Der Grund: die Wirtschafts- und Finanzkrise lässt die Zeitschriftenbranche nicht unberührt. Noch 2007 hatte der Gesamtumsatz der Zeitschriftenbranche leicht um ein Prozent auf 7,7 Milliarden Euro zugelegt, aber schon im laufenden Jahr rechnet der VDZ mit einem leichten Rückgang der Erlöse auf rund 7,6 Milliarden Euro. Für 2009 würden fast 60 Prozent der Verlage eine schlechtere wirtschaftliche Lage erwarten. „Die Verlage können sich nicht gänzlich von der globalen Entwicklung abkoppeln“, sagte VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner gestern auf der Jahrespressekonferenz seines Verbandes in Berlin.

Hauptproblem sei der Werbemarkt. In Krisenzeiten würden Unternehmen weniger Anzeigen schalten, damit werde die noch immer wichtigste Erlösquelle der Zeitschriften beschnitten. „Bereinigungseffekte sind daher nicht auszuschießen“, sagte Fürstner.

Erst kürzlich hatte Bernd Kundrun, Vorstandschef von Gruner + Jahr, angekündigt, das Portfolio des Hamburger Verlagshauses („Stern“, „Geo“, Brigitte“) bereinigen zu wollen. Andere deutsche Verlage werden folgen, meint Fürstner: „Die Verlage müssen jetzt ihre betriebswirtschaftlichen Hausaufgaben machen, um zukunftsfähig zu bleiben. Sie müssen überprüfen, welche ihrer Titel sie sich noch leisten können.“

Wie viele und welche Magazine in den nächsten Monaten sterben werden, wollte Fürstner nicht voraussagen. „Den ein oder anderen Titel könnten die Leser schmerzlich vermissen“, sagte Fürstner. Doch nach anfänglichen Entzugserscheinungen würden die Leser zu einem anderen Magazin wechseln. „Eine Unterversorgung wird es auf dem reichlich besetzten deutschen Zeitschriftenmarkt jedenfalls nicht geben“, sagte Fürstner.

Der VDZ-Geschäftsführer wollte aber trotz der Krise keine Untergangsszenarien beschwören. Erfolgreiche Magazine wie „Neon“, „Landlust“ und „Intouch“ würden zeigen, dass der Markt offen für neue Ideen sei. Hoffnungsvoll blicken die Verleger vor allem auf den Onlinemarkt. Hier erwarten 56 Prozent der Unternehmen, dass ihre Umsätze 2008 über denen des Vorjahres liegen. Bis 2011 rechnen die Verleger mit einer Steigerung des Onlineanteils am Umsatz von 5,7 Prozent im vergangenen Jahr auf 13 Prozent.

Fürstner appellierte an die Politik, Rahmenbedingungen für den Erhalt einer wettbewerbsfähigen und vielfältigen Qualitätspresse zu sichern. Ein Weg sei beispielsweise, den reduzierten Mehrwertsteuersatz für Presseprodukte von sieben Prozent zu senken. So würde in England auf Presseprodukte keine Mehrwertsteuer erhoben. „Don’t tax reading“, keine Steuern aufs Lesen, sei ein gutes Motto, sagte VDZ-Geschäftsführer Fürstner. Sonja Pohlmann

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