Medien : "Zeitung zum Sonntag": Kein Herz für Links

Heinz Siebold

Am 1. Oktober setzen die neuen Eigentümer der Freiburger "Zeitung zum Sonntag" (ZuS) die alte Redaktion raus und an deren Stelle die Offenburger Medienangentur Kresse & Discher ein, verantwortlich unter anderem für das Wirtschaftsmagazin "Business in Baden". Eigentümer der "ZuS", die vor vier Jahren mit dem Anspruch lanciert wurde, anzeigenfinanziert und dennoch Qualitätszeitung zu sein, ist jetzt der "ZZ-Zeitungsverlag", mehrheitlich dominiert vom Offenburger Verleger Peter Reiff.

Der Wechsel sei "eine klare Absage an unser inhaltliches Konzept, sie wollten uns ausbooten", behauptet Ex-Chefredakteurin Elisabeth Schmidt, "eine rein wirtschaftliche Entscheidung" dementiert ZZ-Geschäftsführer Gerhard Müller. Der neue "ZuS"-Redaktionsleiter Ulf Tietge hat einen klaren Auftrag: "Die Verleger haben uns gesagt, was sie erwarten, wir sind Dienstleister und richten uns danach." Bisher sei die "ZuS tendenziös" und für ein "linksalternatives Publikum geschrieben worden." Solches Herzblut will der neue Chef nicht verspritzen: "Wenn ich dieses Publikum verliere und dafür den Rest gewinne - okay".

Rund 200 Angehörige dieses Publikums waren am Wochenende dem Aufruf des "Kulturrates" gefolgt, der Solidarität für das "kritische journalistische Projekt" ausgerufen hatte und die Wiedereinsetzung der alten "ZuS"-Redaktion verlangte. "Zur Beerdigung kommen eben alle", sagte ein früherer "ZuS"-Redakteur, von weither angereist und ohne jede Hoffnung auf Wiederbelebung.

Eine Neuauflage des "Kulturkampfes" wie vor vier Jahren, als der örtliche Monopolist "Badische Zeitung" seinen Feuilletonchef Gerhard Jörder (heute "Die Zeit") feuerte und damit ungewollt den Boden für die "Zeitung zum Sonntag" bereitete, wird es in Freiburg nicht geben. Nur einer fehlte beim "Kulturrat": Der gestrandete "ZuS"-Verleger Michael Zäh. Er hüllt sich in Schweigen. Beim Insolvenzverwalter haben 500 Gläubiger elf Millionen Mark Forderungen angemeldet.

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