Zeitungsmarkt : Im Osten viel Neues

Lange war spekuliert worden, nun ist es offiziell: Die "FAZ" verkauft die „Märkische Allgemeine“, den Zuschlag erhielt die Hannoveraner Madsack-Gruppe. Zu ihrem Portfolio gehört bereits die "Leipziger Volkszeitung" und die "Ostsee-Zeitung".

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Neue Schwester: Die Madsack-Gruppe besitzt im Osten nun neben der „Märkischen Allgemeinen“ die „Leipziger Volkszeitung“ und die „Ostsee-Zeitung“. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Neue Schwester: Die Madsack-Gruppe besitzt im Osten nun neben der „Märkischen Allgemeinen“ die „Leipziger Volkszeitung“ und die...

In Brandenburg haben künftig die Niedersachsen das Sagen, zumindest bei der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ (MAZ). Zum Jahresende wird sie von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) an die Mediengruppe Madsack mit Sitz in Hannover verkauft, wie beide Verlage am Freitag mitteilten. Damit ist der ostdeutsche Zeitungsmarkt wieder in Bewegung gekommen.

Über einen Verkauf der „MAZ“, die mit ihren 15 Lokalausgaben im dritten Quartal rund 136 000 Exemplare verkauft hat und mit der die Tagesspiegel-Verlagsgruppe über ihre Zeitung „Potsdamer Neueste Nachrichten“ konkurriert, war seit einigen Wochen spekuliert worden. Auch der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag wurde als Interessent gehandelt, konnte sich aber am Ende nicht gegen die Madsack-Gruppe durchsetzen. Bereits 2005 hatte diese diverse Regionalzeitungsbeteiligungen vom Axel-Springer- Verlag übernommen, wurde dadurch Alleineigentümer der „Leipziger Volkszeitung“ und ist zudem an der „Ostsee-Zeitung“, den „Lübecker Nachrichten“ sowie den „Kieler Nachrichten“ beteiligt. Insgesamt gibt sie 17 Tageszeitungen heraus und verfügt dazu über Radio- und Fernsehbeteiligungen.

Für den Leipziger Zeitungsforscher Michael Haller ist die Madsack-Strategie folgerichtig und klug. Durch den Kauf entstehe langfristig ein flächendeckend angelegter Werbeträger, der vom Hannoveraner Raum über Leipzig bis nach Potsdam reicht. Haller weist allerdings darauf hin, dass der Kauf unter dem Vorbehalt des Kartellrechts steht und sich Madsack Richtung Marktanteilsgrenzen bewegt.

Mit der Madsack-Gruppe sei ein Käufer gefunden worden, „der überaus erfolgreich im Regionalzeitungsgeschäft tätig ist und mit seiner Kompetenz und Erfahrung das brandenburgische Medienhaus weiterentwickeln kann“, sagte Tobias Trevisan, Sprecher der „FAZ“-Geschäftsführung. 1991 hatte der FAZ-Verlag die „MAZ“ von der Berliner Treuhandanstalt erworben. Sie war aus der SED-Zeitung „Märkische Volksstimme“ hervorgegangen und beschäftigt heute 600 Mitarbeiter, darunter nach eigenen Angaben 130 Redakteure.

Mit dem Verkauf „MAZ“ wollen sich die Frankfurter „zukünftig noch konsequenter auf ihr „nationales Kerngeschäft mit den zwei Flaggschiffen ,Frankfurter Allgemeine Zeitung‘ und ,Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung‘“ sowie ihren digitalen Angeboten konzentrieren.

Ausschlaggebend für den Verkauf an die Madsack-Gruppe dürfte aber nicht nur ihre Erfahrung im Bereich der Regionalzeitungen gewesen sein, sondern auch ihre Bereitschaft zu investieren. Die „MAZ“ braucht eine neue Druckerei. Die Kosten dafür dürften sich auf 20 bis 30 Millionen Euro belaufen – und die wollte die „FAZ“ wohl nicht investieren und suchte offenbar auch deshalb einen Käufer.

„Wir freuen uns sehr, dass es uns gelungen ist, unsere Mediengruppe um die ,Märkische Allgemeine‘ zu erweitern“, sagte Herbert Flecken, Vorsitzender der Geschäftsführung der Mediengruppe Madsack. Ob und welche Investitionen bei der „MAZ“ geplant sind, dazu machte er keine weiteren Angaben.

„Wir warten erstmal die Gespräche ab. Fest steht aber, dass es sich bei der Madsack-Gruppe um ein erfahrenes Zeitungshaus im Regionalgeschäft handelt, das unser Geschäft von der Pike auf kennt“, sagte „MAZ“-Geschäftsführer Peter Asmussen. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) erwartet vom neuen Eigentümer keine Stellenstreichungen. „Die Personaldecke ist dort so dünn, dass auf keinen Mitarbeiter verzichtet werden kann“, sagte Verbandssprecher Hendrik Zörner. Sicherlich seien auch Investitionen in die Technik nötig, aber eine qualitativ hochwertige Zeitung erfordere genauso Investitionen in die Mitarbeiter. Die Situation der ostdeutschen Zeitungen unterscheidet sich vom Westen der Republik besonders dadurch, dass es östlich der Elbe keine eigenständige mittelständische Verlagswirtschaft gibt. Würden Zeitungen verkauft, finde ein Wechsel zwischen Konzernen statt, der im Zweifel zu einer höheren Konzentration führe.

Große Verbreitungsgebiete sind laut Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) typisch für Ostdeutschland, der hier jenseits von Berlin 30 lokale und regionale Tageszeitungen mit einer Auflage von rund 2,5 Millionen verkauften Exemplaren zählt. „Aufgrund der wirtschaftlichen Situation mit Abwanderung der Bevölkerung haben die Verlage entsprechend mit Verlust der Abonnenten zu kämpfen“, sagt BDZV-Sprecherin Anja Pasquay.

Komplett getrennte Wege gehen die „MAZ“ und der FAZ-Verlag aber nicht. In Potsdam sollen weiter Teilauflagen von „FAZ“ und „FAS“ gedruckt werden.

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