Medien : Zeitungsmarkt: Kartellrecht

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Schon lange beklagt der Axel Springer Verlag, im deutschen Zeitungsmarkt nicht mehr wachsen zu können. Mit einem Anteil von 53,9 Prozent sind die Zeitungen der größte Umsatzträger von Europas größtem Zeitungshaus. Doch der Verlagskonzern des Massenblattes "Bild" kann keine Zeitungen zukaufen, er kann sich auch nicht zu einem relevanten Prozentsatz an bestehenden Zeitungen und deren Verlagen beteiligen. Schon der frühere Vorstandschef Jürgen Richter wunderte sich manchmal, wer da in anderen Branchen so alles mit wem fusionieren oder wen übernehmen dürfe. Auch der künftige Vorstandschef Mathias Döpfner würde gern mitmachen, wenn es darum geht, sich maßgeblich an Regionalzeitungen zu beteiligen, sie zentral mit überregionaler Berichterstattung zu beliefern, sie zu kaufen oder doch zumindest mit "Konkurrenz"-Verlagen gemeinsam Anzeigen zu vermarkten. Das Kartellrecht verbietet das. Zu "Focus" sagte Döpfner einmal, er habe zwar "weiter Appetit auf Zeitungen", aber solange die Fusion der Zeitschrift "Rute & Rolle" mit "Blinker" blockiert werde, weil das "zu einer unbotmäßigen Marktkonzentration im Bereich der Freifischangler-Fachpublikationen" führte, habe er wenig Hoffnung.

Kartellrechtlichen Beschränkungen sehen sich auch andere Verlage ausgesetzt. Und Springer weiß den Verband der Zeitungsverleger mit seinen Forderungen hinter sich: Laut "Financial Times Deutschland" unternahm Döpfner nun den Vorstoß. Es gab Gespräche mit dem Bundeskanzler. Argumentationsbasis ist ein zehnseitiges Papier. Unter anderem gehe es darum, dass ein "Konsolidierungsprozess" der Verlage von einem reformierten Kartellrecht abhängt. Das Gesetz, das 1976 im Sinne des Erhalts von Pressevielfalt gemacht wurde, habe zur Folge, dass nun ausländische Unternehmen in deutsche Verlage einsteigen würden. Hintergrund sind viele regionale Zeitungsverleger, die sich bald aus Altersgründen aus dem Geschäft zurückziehen werden.

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