Medien : Zeitzeichen: 20 Jahre "Wetten, dass ..."

Stephan Lebert

Im Schlafanzug Ende der Siebziger Jahre kam ihm die Idee, so fing alles an. Nachts, sagt Frank Elstner, saß er in der Küche, ein Glas Rotwein vor sich und ein weißes Blatt Papier. Noch einmal Wein nachgeschenkt, und das komplette Konzept für die "Wetten,dass ...?"-Sendung war fertig, sagt Elstner, der Erfinder. Typisch für das deutsche Fernsehen, ja, für das Deutschland jener Tage: Große Entscheidungen wurden in aller Gemütlichkeit getroffen. Wie wohl sein Schlafanzug ausgesehen hat?

Sicher sind die meisten Aspekte von "Wetten, dass ...?" inzwischen hinreichend bekannt, doch ein einziger erscheint uns unentschlüsselt - und zwar die kulturpolitische Bedeutung der drei Moderatoren. Wir wagen die Behauptung, dass man die vergangenen zwanzig Jahre der Bundesrepublik allein mit Hilfe dieser drei Namen erzählen kann. Sie lauten Elstner, Lippert, Gottschalk. Ein trio nationale.

Elstner: Professionell, humorlos, bieder. Wie hat es Helmut Kohl treffend gesagt? Das deutsche Volk könne froh sein, wenn es sich langweilt. Das war die Periode der alten Bundesrepublik. Dann kam Thomas Gottschalk, zum ersten Mal. Er symbolisierte so etwas wie einen zarten Tabubruch. Das Volk stöhnte auf, als der wilde Thommy die Eierstöcke älterer Frauen öffentlich ansprach. Andererseits freute man sich auch über ihn, den lustigen Schalk. Ja, mit Thomas Gottschalk kündigte sich die Spaßgesellschaft an.

Dann die Irritation: Wolfgang Lippert. Irgendwo war eine Mauer gefallen, und auch die TV-Verantwortlichen wollten den neuen Brüdern eine Chance geben. Allerdings keine allzu lange, der Ossi wurde derart schnell verräumt, dass er sich bis heute nicht erholt hat. 1993 kam Gottschalk zurück, bereit zum Reifungsprozess, denn mit fortschreitenden Jahren wurde aus ihm ein Kritiker der von ihm mitausgelösten Spaßgesellschaft. Keine leichte Rolle: Kritiker und Macher in einer Person. Aber bitte, kann man das Schicksal, zumindest das der Grünen, besser beschreiben?

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