Zentralisierung : Verdi kritisiert Umzugspläne der dpa

Die Gewerkschaft Verdi hat die Überlegungen der Deutschen Presse-Agentur kritisiert, ihre redaktionellen Einheiten in Berlin zu bündeln. Die dpa sieht dagegen gute Gründe für eine Zentralisierung.

Markus Ehrenberg

Obwohl die Untersuchung über einen möglichen Umzug der Redaktionen aus Hamburg und Frankfurt nach Berlin erst begonnen habe, spreche sich die Führungsebene bereits für eine Verlagerung aus, erklärte die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi am Mittwoch.

Die dpa hatte am Dienstag mitgeteilt, aus Sicht von Geschäftsführung und Chefredaktion gebe es gute Argumente für eine redaktionelle Zentralisierung in Berlin. Die Produktionsabläufe sollen jetzt „grundsätzlich auf den Prüfstand“ gestellt werden. Mit Ergebnissen wird laut dpa-Sprecher Justus Demmer nicht vor Sommer gerechnet. Die Mitarbeiter seien von dem Vorhaben „von Anfang an umfassend informiert“ worden. Verdi-Medienexperte Manfred Moos sagte hingegen, die dpa-Leitung wolle „offenbar den Eindruck bereits vollendeter Tatsachen erwecken“. Möglicherweise wolle die Agentur vor dem Hintergrund der Kündigung der dpa-Dienste durch die Essener WAZ-Gruppe „Aktions- und Innovationsfähigkeit“ demonstrieren. 2007 war der Gesamtumsatz von dpa um 1,9 Prozent auf 93,8 Millionen Euro gesunken.

Die dpa dementiert einen Zusammenhang zur WAZ. „Das ist eine zeitliche Koinzidenz“, sagte Demmer. Die WAZ hatte bisher nach eigenen Angaben etwa zwei Millionen Euro pro Jahr für dpa-Material ausgegeben. Seit 2009 bezieht sie keine dpa-Nachrichten mehr. Demmer glaubt nicht, dass damit das Agentur-Modell infrage stehen könnte, welches von 191 Gesellschaftern (Medienhäusern) getragen wird. Auch die Standortentscheidung für Berlin sei noch nicht gefallen. Der dpa-Chefredakteur Wilm Herlyn hatte in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt, für „multimediale Prozesse“ sei Berlin der „einzig ideale Ort“. Hier sitzt bereits die Redaktion für die innenpolitische Berichterstattung. Die Bildredaktion arbeitet in Frankfurt am Main, die Dienste für Internet und Mobilfunk werden wie die Basisdienst-Berichterstattung in Hamburg erstellt. M. Ehrenberg

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