Medien : Zickenkrieg erwünscht

Heute startet auf Pro 7 „Germany’s Next Topmodel“, Teil zwei

Alice Bota

Am Abend in Hamburg, an dem Pro 7 die neue Staffel von Heidi Klums „Germany’s Next Topmodel“ vorstellt, steht ein langhaariger Pressesprecher auf dem Laufsteg. Er nimmt das Mikrofon in die Hand und kündigt euphorisch „Lena G.“ an. Blond, hübsch, sieht gesund aus. Sie hat bei der letzten Staffel von „Germany’s next Topmodel“ gewonnen. Gewöhnlich kürzen Medien Namen nur ab, wenn jemand Schutz braucht: Angeklagte, die noch nicht verurteilt sind, Opfer von Verbrechen.

War das Pro 7-Topmodel ein Opfer, wie einige Bundestagsabgeordnete und Medien zeterten? „Bild“ schrieb: „Heidi Klums Show immer brutaler“. Waren jene jungen, dünnen Frauen, über Wochen in ständiger Konkurrenz zusammenlebend, charakterlich noch nicht gefestigt? Wurden sie von Jurymitgliedern gedrillt, die Träume zerstörten? So berichteten Zeitungen vor einem Jahr, dass selbst dünne Models als zu dick galten – die Kandidatin Irina etwa flog wegen falscher Maße raus. Es fehlte auch nicht an Interviews mit Psychologen, die warnten, junge Mädchen würden in die Magersucht getrieben. Und die Boulevardpresse deckte auf, dass die Models angeblich hungern mussten (wieder „Bild“: „TV-Model packt aus: Ich wusste nie, wann ich die nächste Mahlzeit kriege“). Die Kandidatinnen wehrten sich und veröffentlichten in mehreren Zeitungen ein Dementi in Form eines öffentlichen Briefes. Tenor: „Die Büfetts sind superlecker.“ Zu Recht stellte Heidi Klum damals in einem Interview fest: „Ich bin im Moment die Sau, die man durchs Dorf jagt.“ Andererseits war das Bashing aber auch willkommen. Direkt nach den Hungervorwürfen wurden die letzten drei Sendungen um eine auf zwei Stunden verlängert, wegen des steigenden Zuschauerinteresses.

„Germany’s Next Topmodel“ war eine unspektakuläre Sendung, die davon lebte, spektakulär vermarktet und kontrovers diskutiert zu werden. So blieb sie im Gespräch und erzielte gute Quoten; über drei Millionen Menschen schauten regelmäßig zu. Durchschnittlich wurde in der werberelevanten Gruppe der 14- bis 49-Jährigen ein Marktanteil von 16,2 Prozent erreicht. Heidi Klum, Jurorin und Koproduzentin der Sendung, konnte zufrieden sein. Pro Sieben auch.

Kein Wunder also, dass der Sender auch für die heute startende zweite Staffel mit dem Opfer-Image der Models wirbt. „Der Wettbewerb ist brutal und die Konkurrentinnen gnadenlos. Neid, Missgunst und Zickerei sind vorprogrammiert“, heißt es auf der Internetseite. Klingt wie eine postmoderne Version von Gladiatorenkämpfen, mit lackierten Nägeln und Make-up. Das Publikum wird sich die Hände reiben. Und zuschauen. Rund 15 000 Mädchen ließen sich nicht abschrecken und haben sich beworben – 4000 mehr als bei der ersten Staffel. Sie „wollen wie Lena G. ihren Traum erleben“, heißt es bei Pro 7.

Die Änderungen der zweiten Reihe sind minimal. Diesmal werden 100 Mädchen „runtergecastet“, bis eine übrig bleibt. Es gibt deshalb drei Folgen mehr als beim letzten Mal und ansonsten wieder jede Menge schwieriger Aufgaben zu erledigen, bei denen die meisten scheitern werden. Laufen auf Eis, zum Beispiel, oder Fotoshootings im freien Fall. Weil „die nächste Staffel nur toppen kann“, was die erste gezeigt hat, so Pro 7, wird der Umgang mit den Models härter. Nach Ansicht des Senders lohnen sich die Qualen: Die Siegerin darf das Titelblatt der deutschen „Cosmopolitan“ schmücken und bekommt einen Vertrag mit der weltgrößten Agentur IMG.

Angst, dass ihre Sendung nicht wahrgenommen wird, muss sich Heidi Klum kaum machen. Stärker noch als letztes Jahr polarisiert die Debatte über Models. Im Dezember starb die Brasilianerin Ana Carolina Reston an Unterernährung. Die 21-Jährige wog zuletzt bei einer Größe von 174 Zentimetern 40 Kilogramm. Vor wenigen Wochen starb eine 18-Jährige aus Uruguay. Auf der Madrider Modewoche durften deshalb nur Mädchen laufen, deren Body-Mass-Index über 18 liegt. Das entspricht etwa 56 Kilogramm bei 1,75 Meter. Bei den Schauen in London wurden solche Selbstbeschränkungen abgelehnt. Das für seine Zicken gefürchtete Topmodel Naomi Campbell meldete sich zu Wort und warnte davor, der Branche für seelisch bedingte Krankheiten die Schuld zu geben.

Der Zeitpunkt für Heidi Klums zweite Staffel könnte kaum besser sein. Die Spiele können beginnen.

Germany’s Next Topmodel, Pro 7,

20 Uhr 15

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