"Zimmer frei"! : Wohnungsnotstand in Köln

Nanu, da fehlt doch gerade was: Die beliebte WDR-Show „Zimmer frei!“ wird wohl 2016 beendet. Zuletzt wurde die Folgezahl schon erheblich verringert.

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Götz Alsmann und Christine Westermann
Götz Alsmann und Christine WestermannFoto: WDR/Herby Sachs

Anfang November war der Schauspieler Charly Hübner zu Gast bei der fiktiven Wohngemeinschaft „Zimmer frei!“ im WDR-Fernsehen. In einem Einspieler der Show wurden Passanten in der Kölner Innenstadt gefragt: Wie finden Sie diesen Mann? Kennen Sie ihn überhaupt? Erstaunlicherweise schüttelten manche den Kopf. Vielleicht ergeht es Christine Westermann und Götz Alsmann, den Moderatoren von „Zimmer frei!“, bald ähnlich – so selten ist diese Sendung zurzeit im Fernsehen am Sonntagabend zu sehen. Seit Charlys Hübners Gastspiel vor sechs Wochen hat das Format Pause. Im Spätsommer, Herbst liefen ganze sieben Folgen, die nächste neue kommt erst im Februar 2015. Die Anzeichen verdichten sich, dass „Zimmer frei!“, eine der unterhaltsamsten Shows des deutschen Fernsehens, spätestens 2016 eingestellt wird, nach 20 Jahren.

Offiziell will das der WDR nicht bestätigen oder gar kommentieren. Von einem Abschied könne im Moment nicht die Rede sein, sagte eine WDR-Sprecherin in dieser Woche, nach der auffällig niedrigen Sendefrequenz des (einstigen?) Vorzeigeformats befragt. „Christine Westermann, Götz Alsmann und der WDR haben sich in der 18. Saison gemeinsam auf eine veränderte Folgenzahl geeinigt.“ An der Anzahl der Produktionen von 2014 auf 2015 werde sich nichts ändern, die Folgenzahl wird sich demnach im nächsten Jahr nicht verringern.

Auch mal im Ersten probiert

Im Klartext heißt das: 2013 gab es 30 Ausgaben von „Zimmer, frei!“ (insgesamt sind es 635), 2014 ging es runter auf 20. Stattdessen werden auf dem Sendeplatz am späten Sonntagabend neue Formate ausgestrahlt, wie die Comedy-Sendung „Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von …“ oder ab Ende Dezember der Talk „Ich stelle mich“ mit Moderatorin Sandra Maischberger. Wie man hört, solle an der Stelle im Programm weiter neu ausprobiert werden, mit „Zimmer frei!“ und der verringerten Erscheinungsweise ist dann spätestens Sommer 2016 Schluss, vielleicht sogar schon vorher.

Nun ist es bei Weitem nicht so, dass diese neuen Formate quotenmäßig an „Zimmer frei!“ vorbeiziehen. Andererseits, dieser Mix aus Talk, Jux, gemeinsamem Essen, intimem Gespräch im freien WG-Zimmer oben (circa 20 Quadratmeter), Außenreportagen und improvisierten Party-Spielchen, der 1996 zunächst nur als Lückenfüller im WDR-Programm gestartet war und dann so grandios und Grimme-Preis-gekrönt einschlug, dass er sogar schon mal im Ersten ausprobiert wurde, hat sich ein wenig überlebt. Einzelne Ausgaben wie die mit Charly Hübner neulich ragen immer mal wieder heraus.

Junge Formate, junge Comedians drängen ins Programm. Die Frage aber ist, ob sich der WDR einen Gefallen damit tut, wenn er den Abschied der Kultshow so leise und auf Raten vonstattengehen lässt. Kaum ein Hinweis im Programm auf den Verbleib der Show, Vorschau auf neue Folgen. Zuschauer und „Zimmer frei!“-Fans glauben dauernd, dass sie irgendetwas verpasst hätten.

"Ach, wie schade, dass es euch nicht mehr gibt“

„Ich bin in letzter Zeit auch schon häufiger gefragt worden, ach, wie schade, dass es euch nicht mehr gibt“, sagt Christine Westermann. Offenbar hat der WDR seine Zuschauer in diesem Jahr nicht ausreichend auf die geänderte Sende-Frequenz, die längeren Pausen hingewiesen. Die Moderatorin würde sich wünschen, dass man im neuen Jahr positiv mit diesen Erfahrungen umgeht und mehr Werbung für die neuen „Zimmer frei!“-Ausgaben macht.

Natürlich sind Christine Westermann und Götz Alsmann Medienprofis genug (und mit Lesungen sowie Musik auch anderweitig beschäftigt), um sich die Lust an der Fernseharbeit nicht bis zum finalen Jubiläum 2016 verderben zu lassen. Man wolle gelassen und mit einer fröhlichen Zufriedenheit dem geplanten Ende von „Zimmer frei!“ entgegensehen, teilen die beiden Moderatoren mit. Kein Groll, auch kein versteckter auf den Sender. „Es gibt uns noch mindestens anderthalb Jahre, und in denen werden wir es uns noch richtig nett machen.“

Charly Hübner teilt sein Leben übrigens in Sautage und vegane Tage ein. Der endgültige Abschied von „Zimmer frei!“ wäre so ein Sautag.

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