"Zorn Gottes" : IS-Terror erreicht „Tatort“

Wotan Wilke Möhring und seine neue Partnerin Franziska Weisz müssen einen islamistischen Anschlag verhindern. Regisseur Özgür Yildirim will den Dschihadisten als Mensch und nicht als Monster zeigen.

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Erster gemeinsamer Einsatz: die Kommissare Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz).
Erster gemeinsamer Einsatz: die Kommissare Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz).Foto: NDR

„Ein derber Schlag“, sagt Thorsten Falke anerkennend. Der "Tatort"-Bundespolizist, gespielt von Wotan Wilke Möhring, ist als „Realtester“ auf deutschen Flughäfen unterwegs. Seine Aufgabe: mögliche Sicherheitslücken aufspüren. In Hannover wird er nicht fündig, zunächst jedenfalls nicht. Die Kontrolleure am Kofferscanner fallen auf den vermeintlichen Bombentrick nicht herein, Falke tritt die Flucht an – und wird mit einem gezielten Schlag von Polizistin Julia Grosz von den Beinen gehauen. Der Sicherheitscheck wäre damit eigentlich beendet, gäbe es da nicht diese Leiche, die kurze Zeit später vom Himmel in einen Swimming Pool fällt, just aus dem Fahrwerksschacht eines Jets, der gerade in Hannover abgehoben hat. Und weil Falke und Grosz, die von der österreichischen Schauspielerin Franziska Weisz dargestellt wird, so gut zusammengearbeitet haben respektive zusammengeprallt sind, sollen sie den Ursprung des Sicherheitslecks finden.

Die Zusammenarbeit von Falke und Grosz ist einer von zwei Strängen des NDR-„Tatort“ mit dem Titel „Zorn Gottes“. Nach dem Ausscheiden von Kollegin Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) arbeitet der Kommissar allein, seine Vorgesetzten drängen auf einen neuen Partner resepektive Partnerin. Entweder trifft Falke die Wahl oder sie wird ihm abgenommen. Im Zentrum der Handlung steht jedoch der zweite Strang. Zumindest wäre es wünschenswert gewesen, wenn sich der „Zorn Gottes“ ganz auf diesen Teil konzentriert hätte. Die Relevanz des Themas ist groß und das Anliegen von Drehbuchautor Florian Oeller und Regisseur Özgür Yildirim ebenso: Mit dem Flug von Istanbul nach Hannover kommt der IS-Terror nach Deutschland. Gleich zu Beginn erfährt der Zuschauer von einem bevorstehenden Anschlag. Der IS-Heimkehrer Enis Günday (Cem-Ali Gültekin) hat seine Absichten in einem Internetvideo angekündigt, in der Flughafensicherheit hängt schon ein Fahndungsaufruf. Ein Schleuser soll dafür sorgen, dass er an den Einreisekontrollen vorbei gelangt, doch der gedungene Flughafen-Angestellte Rocky Kovac (Christoph Letkowski) verbockt die Aktion mit tödlichem Ausgang für einen anderen Passagier.

Am Anfang war es eine Schleuserstory

Das alles geschieht in den ersten Minuten und kann ohne Spoilergefahr erzählt werden. Denn in diesem „Tatort“ geht es nicht um die Tätersuche. Die Macher haben andere Ziele. Florian Oeller hatte das Drehbuch bereits vor einem Jahr begonnen, lange vor den Anschlägen von Paris im November 2015. Anfangs war es eine reine Schleusergeschichte, getrieben von dem Gedanken, dass Flughafenmitarbeiter, die weniger als den Mindestlohn erhalten, zum Sicherheitsrisiko werden können. Nachdem Oeller über die Terrorgruppe Islamischer Staat recherchiert hatte, wurde das Thema erweitert. Für die „Braunschweiger Brigade“ aus dem Film gab es eine reale Vorlage: Die „Lohberger Brigade“, benannt nach einem Vorort von Dinslaken, von wo aus 2013 ein Dutzend deutsche Islamisten nach Syrien in den Dschihad zogen.

Regisseur Özgür Yildirim, der die Figur von Thorsten Falke mitentwickelt hat, will mit „Zorn Gottes“ das Klischee vom Terroristen-Monster durchbrechen. „Wir haben versucht, eine gewisse Empathie für einen jungen Mann zu entwickeln, der in Deutschland aufgewachsen und zum Islamisten geworden ist“, sagt er zu dieser Zielsetzung. „Unser Islamist ist kein Dämon, sondern ein Mensch mit einer Familie im Hintergrund, die ihn liebt, aber seinen Hass nicht versteht.“

Doch zugleich ist Enis Günday ein fanatischer junger Mann, bereit für seine irregeleitete Überzeugung in den Tod zu gehen und andere, seiner Meinung nach Ungläubige zu töten. Um den Anschlag zu verhindern, haben Falke und Grosz nur wenig Zeit. Es wäre besser gewesen, wenn die beiden Kommissare nicht so viel Zeit für das berufliche Kennenlernen benötigen würden. Kurt Sagatz

„Tatort: Zorn Gottes“; ARD, Sonntag, 20 Uhr 15

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