Medien : Zorniger Protest

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Einerseits leben wir traumlos im kapitalistischen Gehäuse. Vom revolutionären Umsturz aller Verhältnisse reden heute nur noch Leute, denen wir nicht im Dunklen begegnen mögen. Andererseits wird unaufhörlich protestiert. Kein Tag ohne Demostau in der City, keine Zeitung ohne Fotos zorniger Menschen, die in Ost und West zornige Transparente hochhalten. Gleich zwei Radiofeatures bilanzieren in diesen Tagen aktuelle Formen des Widerstands gegen den gesellschaftlichen Status quo.

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Die Autorin Alexa Hennings ist in „Bitte protestieren Sie!“ einer Gruppe von Tierschützern ins spanische Pamplona gefolgt. Dort wird gegen den jährlichen Stierkampf demonstriert. Gewaltfrei und beinahe höflich, mit fantastischen Kostümierungen oder in provokanter Nacktheit. Am Beispiel der Gruppe zeichnet die Autorin ein Bild der modernen Protestkultur. Es geht um das Internet und die E-Mails als Organisationsmedien, um das Spannungsverhältnis zwischen Global und Lokal, um die Dissonanzen von Friedenssehnsucht und Krawallbegeisterung. Auch mythische Erinnerungen an die weltbewegende Kraft des friedlichen Protests spielen in diesem Radiofeature eine Rolle: das Vorbild Gandhi und die einstigen Siege im Fall Angela Davis, Louis Corvalan, Mikis Theodorakis (Deutschlandradio, 18. August, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

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Eine feste Größe in der neuen Protestkultur sind die Demonstrationen gegen Neoliberalismus und Globalisierung. Christoph Burgmer und Stefan Fuchs untersuchen im Feature „Die Allianz der Verlierer“ die dazugehörigen Netzwerke. Indianische Ureinwohner, europäische Umweltschützer, japanische Friedensaktivisten suchen gemeinsame Strategien im Kampf gegen die Zumutungen des Weltkapitalismus. Einerseits kämpft David gegen Goliath. Andererseits entwickeln sich vielleicht gerade hier Urformen einer mächtigen transnationalen Demokratie (DLF, 20. August, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

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In Italo Svevos schönem Hörspiel „Senilità“ geht es um Widerstand ganz anderer Art. Der 35jährige Versicherungsangestellte Emilio lebt mit seiner altjüngferlichen Schwester ein behäbig-routiniertes Dasein. Er wird alt, ohne jemals jung gewesen zu sein. Erst die Begegnung mit einer ebenso verführerischen wie dämonischen Frau bringt seine ganze Existenz aus ihrem müden Gleichgewicht. (DLF, 21. August, 20 Uhr 05)

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