Zu meinem ÄRGER : Agitator ohne Kinderstube

"Da saß kein Journalist im Studio": Die Medienwoche, vor allem der Talk "Hart aber fair", im Blick von RTL-Moderator Maik Meuser.

Maik Meuser
Maik MeuserFoto: RTL

Herr Meuser, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien denn am meisten geärgert?

Ich hab mich ziemlich über den Auftritt von „Bild“-Chef Julian Reichelt bei „Hart aber fair“ geärgert. Da saß kein Journalist im Studio, sondern ein Agitator ohne Kinderstube. Bei aller berechtigten Kritik am ehemaligen Nato-Planungsoffizier Ulrich Scholz und seinen zum Teil kruden Thesen, wie sich Herr Reichelt aufgeführt hat, das ging gar nicht. Und es ist ja nicht nur die Art und Weise, wie sich der „Bild“-Chef da benommen hat, wie er fast jede andere Meinung als dumm, infam oder unverschämt abgekanzelt hat. Ich finde es bei all den grausamen Bildern, die ich ja auch jeden Tag sehen muss, schon ziemlich bedenklich, wie undifferenziert da für einen Kriegseinsatz geworben wurde. Als wäre das ein Osterausflug. Nach all den Erfahrungen, die wir mit militärischen Interventionen im Nahen Osten gemacht haben. Wie oft haben wir gesehen, dass die von Militärs gelobten „hoch präzisen“ Waffensysteme doch nicht so genau funktionieren. Man kann das ja diskutieren, aber doch bitte mit mehr Fachkenntnis und Verantwortungsbewusstsein.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?
Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass der internationale Journalistenzusammenschluss ICIJ den Pulitzer Preis bekommen hat, für die unglaublich aufwendige und folgenreiche Berichterstattung rund um die „Panama Papers“. Das war richtig packender und grenzüberschreitender Investigativ-Journalismus. Das ist auch Motivation für die eigenen Geschichten, die ich ja mit dem Recherchezentrum Correctiv für das RTL-Nachtjournal produziere.

Welches Internet-Video empfehlen Sie?
Jan Böhmermanns „Neo Magazine Royale“ zur Echo-Verleihung auf YouTube fand ich gut gemacht. Recherche und Unterhaltung. Lachen und lernen. Und auch, wie einfach es offenbar ist, einen deutschen Pop-Hit zu schreiben. Da reichen schon ein paar Schimpansen und ein Twitter-Account, dazu eine kleine Melodie und ab geht’s in den Chart-Himmel. Das hat mich beeindruckt.

Maik Meuser gehört seit November 2016 zum Moderatorenteam von „RTL Aktuell“ und moderiert zudem das „RTL Nachtjournal“.

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