Zu meinem ÄRGER : Allah in der ARD

Wolfgang Hübner, stellvertretender Chefredakteur des "Neuen Deutschland" resümiert die Medienwoche - und fragt sich, warum die ARD auf dem rechten Auge blind ist.

Wolfgang Hübner ist stellvertretender Chefredakteur der sozialistischen Tageszeitung "Neues Deutschland".
Wolfgang Hübner ist stellvertretender Chefredakteur der sozialistischen Tageszeitung "Neues Deutschland".Foto: nd

Herr Hübner, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Über die Themenplanung der großen ARD-Talkshows. „Deutschland und der Islam – wie passt das zusammen?“ wurde am Montagabend bei „Hart aber fair“ diskutiert, teilweise mehr konfus als kontrovers. Bei Frank Plasberg gab es Ende September schon „Auf Streife für Allah – vor welchem Islam müssen wir Angst haben?“. Anne Will hatte in den letzten Wochen zweimal das Thema Islamischer Staat, Günther Jauch fragte Ende September „Gewalt im Namen Allahs – wie denken unsere Muslime?“. Keine einzige Sendung aber zu den von Rechtsextremisten angetriebenen Protesten gegen Flüchtlinge, Migranten, Muslime. Gibt es niemanden, der das bei der ARD koordiniert? Bei Plasberg fiel dazu ein einziger Nebensatz; der Moderator ging darauf nicht ein. Immerhin widmete sich Maybrit Illner Ende Oktober dem Thema „Islamisten, Nazis, Hooligans“. Aber das war im ZDF.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?
Ja, den Montagmorgen-Kommentar von Friedrich Küppersbusch auf Radio Eins. Diesmal ging es um die sogenannten Negativzinsen, die die Commerzbank vielen Großkunden berechnen will. Finanzpolitische Zusammenhänge, die für Normalverbraucher oft schwer zu fassen und einzuordnen sind, werden hier verständlich erklärt. Das ist originell formuliert, polemisch argumentiert, witzig, mit linker Grundhaltung – eine Mischung, die man nicht allzu oft findet.

Welche Webseite können Sie empfehlen?

Floskelwolke.de. Dort wird die Sprache der Medien gefiltert; man sieht sehr schön die Übergänge zwischen Benutzung und Abnutzung der Sprache. Unterschieden wird nach manipulierenden Floskeln, missverständlichen Formulierungen sowie Passagen, „die inhaltlich keinen Schaden in redaktionellen Texten anrichten, sie aber oft auch nicht schöner machen“. Die Seite ist natürlich kein Hort der absoluten Sprachwahrheit, aber eine Anregung zu mehr Sprachkultur.

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