Zu meinem ÄRGER : Das Leiden der Kinder vergessen

Herr Gniffke, worüber haben Sie sich in der vergangenen Woche in den Medien am meisten geärgert?

Über die Kinderpornografie-Debatte. Die Berichterstattung dazu war in den meisten Medien zwar ganz in Ordnung und auch recht differenziert. Aber wir haben das Ganze als ein rein technisches Problem dargestellt und analysiert, ob eine Internetsperre funktioniert oder nicht. Von den Opfern war kaum die Rede. Von Kindern, die Schreckliches durchmachen, weil diese Pornos gekauft und geklickt werden. Kinder mit scheußlichen Verletzungen und nie heilenden Traumata. Da finde ich selbstkritisch, dass dies vielleicht auch bei uns zu kurz kam.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Über die Grimme-Preisträger. Ich habe eher ein distanziertes Verhältnis zu Medienpreisen, aber dieser Preis ist schon ein Mordspfund. Die gute alte ARD hat mit Dreiviertel aller Preise den anderen Sendern tüchtig gezeigt, wo der Barthel den Most holt. Da tut es nicht mehr ganz so weh, dass die Tante Tagesschau in 57 Jahren noch nie einen Grimme-Preis, Bambi, Fernsehpreis oder Telestar bekommen hat. Unseren Preis erhalten wir jeden Abend von den Zuschauern.

Welche Website können Sie empfehlen?

Ist wirklich nicht neu, aber stefan-niggemeier.de/blog ist für mich immer wieder eine Wohltat. Er schafft es sehr konstant, sorgsam recherchiert und pointiert formuliert kleinere und größer Medienschwächen offenzulegen.

Kai Gniffke ist seit 2006 Chefredakteur von ARD aktuell.

Dazu gehören

„Tagesschau“ und „Tagesthemen“.

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