Zu meinem Ärger : Debatten um das „böse“ Netz

Alexander von Streit, Chefredakteur des Magazins "Wired", ärgert sich über falsche Ansichten zum digitalen Wandel, und freut sich über eine Plattform, die sich kritisch mit Lobbyismus auseinandersetzt.

Foto: Condé Nast
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Lieber Herr von Streit, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Der Ärger begann schon am Wochenende. Aber es war ja so klar, dass das kommen musste: Nach dem Rücktritt von Bildungsministerin Annette Schavan machte die „Welt“ prompt den „anonymen Machtbürger am Computer“ und sogar die „digitale Welt“ zum Täter. Man kann es nicht oft genug sagen: Die Welt da draußen verändert sich gerade sehr schnell, wir erleben durch die Digitalisierung einen grundlegenden Wandel unserer Kommunikation und der Instrumentarien, aus denen sich unsere Gesellschaft weiterentwickelt. Es hilft da nicht, über das „böse“ Netz zu lamentieren. Vielmehr müssen wir verstehen lernen, wie diese neue Welt funktioniert – und die daraus resultierenden Chancen ergreifen. Und ist Transparenz wirklich so schlimm?

Gab es auch etwas, über das Sie sich freuen konnten?

Dass die durchleuchteten Doktorarbeiten nur der Anfang einer viel wichtigeren Entwicklung sein werden: Das neu gestartete Lobbyplag (lobbyplag.eu) bringt mit ähnlichen Methoden Licht in die Einflussnahme von Lobbyisten auf EU-Richtlinien.

Welche Website können Sie empfehlen?

Wie die Werkzeuge der digitalen Welt sich mit der Popkultur unserer Zeit verbinden zeigt die Crowdfunding-Plattform Kickstarter, auf der Geldgeber im Netz für unterschiedlichste Projekte gesucht werden. Nachdem eine Online-Petition an die USA-Regierung für den rund 850 Billiarden Dollar teuren Nachbau des Todessterns aus „Star Wars“ erwartungsgemäß abgeschmettert wurde, lebt die skurrile Idee nun hier (kickstarter.com/projects/461687407/kickstarter-open-source-death-star) weiter.

Alexander von Streit ist Chefredakteur des Magazins „Wired“, dazu Gründer und

Mitherausgeber der Debattenplattform

Vocer.org. Die nächste „Wired“ erscheint am 7. März.

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