Zu meinem ÄRGER : Der Stil der Schenkelklopfer

Frau Jäkel, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Über eine flapsige und damit falsche Überschrift in einem Internet-Mediendienst: „Goodbye, Matze“. Gemeint war Matthias Matussek, der als Leiter des Kulturressorts des „Spiegel“ abgelöst wurde. Diese Zeile steht für eine um sich greifende Unsitte, auch in seriösen Medien, über die ich mich seit langem ärgere. Mit einer gewollt witzigen Formulierung wird intime Nähe suggeriert – seit wann lässt sich der „Spiegel“-Mann „Matze“ nennen? Das zerstört unser höchstes Gut: die Glaubwürdigkeit. Dieser zynische Schenkelklopferstil nervt, ganz besonders uns Frauen.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Ich hatte Spaß an einer Meldung im „Spiegel“ über einen Besuch Harald Schmidts bei einer Rundfunkratssitzung des NDR. Auf die Frage, ob er wirklich so gebildet sei, wie er gerade tue, antwortete er, er habe sein Wissen nur aus dem Schauspielführer, aber für so ein Gremium sei das doch Bildung genug. Das hat mir gefallen.

Julia Jäkel

ist Verlagsleiterin

der Brigitte-Gruppe.

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