Zu meinem ÄRGER : Der wütende Medienelefant

Peter Arens, Kulturchef des ZDF, resümiert die Medienwoche.

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Foto: ZDFFoto: Carmen Sauerbrei

Herr Arens, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Dass aus einer bewundernswerten Recherche zur Wulff’schen Hausfinanzierung mittlerweile eine Kampagne geworden ist, die sogar die kostenlose Abendgarderobe der Präsidentengattin auf die Anklagebank zerrt. Der Medienelefant, in den letzten Jahren größer und größer geworden, ist wütend, weil Wulff nicht zurücktritt. Aus Purismus ist Puritanismus geworden, der mir nicht mehr geheuer ist. Und am meisten ärgert mich, dass ich jeden Morgen wissen will, ob es Neues gibt. Daran ist der Hype schuld oder ich selbst.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Dass die neue Staffel von „DSDS“ Zuschauer verloren hat, womöglich an den Konkurrenten „The Voice of Germany“. Denn warum wählt man mit Vorsatz junge Menschen zum Casting aus, von denen man genau weiß, dass sie nicht singen können? Damit sie sich blamieren! Das könnte der vorgebliche Talentsucher Bohlen ruhig zugeben, dabei hätte „DSDS“ diese Niedertracht gar nicht nötig. Ehrlicher sind da schon die Moderatoren der Dschungelshow, die in der „Bild“ freimütig bekennen, dass sie „gebrochene Persönlichkeiten“ suchen. Na dann viel Spaß!

Welche Homepage, welches Video können Sie empfehlen?

Das BBC-Video 200 countries, 200 years, 4 minutes. In vier Minuten schildert Hans Rosling anhand einer Art Holografie, wie sich in den letzten 200 Jahren Lebenserwartung und Wohlstand der Weltbevölkerung verändert haben. Im Internet muss Info kurz und witzig sein, und dieses Video ist zudem noch klug, der reinste Eye-Opener. Ach ja, ewiger Verlierer über 200 Jahre: Afrika. http://www.youtube.com/watch?v=jbkSRLYSojo

Peter Arens ist Leiter der Hauptredaktion Kultur und Wissenschaft beim Zweiten Deutschen Fernsehen, die unter anderem für „Aspekte“

und „Terra X“ verantwortlich ist.

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