Zu meinem ÄRGER : Die vorgeführte Anne Will

Hans Mahr ärgert sich über die Aufregung um Anne Will - und bedauert Sabine Christiansen.

Herr Mahr, worüber haben Sie sich in den Medien in dieser Woche am meisten geärgert?

Arme Sabine Christiansen! Aus den Augen, aus dem Sinn – kaum hat sie Sendung und Land verlassen, macht sich Häme breit. Wie großartig ihre Nachfolgerin Anne Will war, wie eloquent und wie kompetent. Das alles konnten wir Anfang der Woche nach ihrer ersten Polit-Talk-Sendung in den heimischen Gazetten lesen. Und natürlich, um wie viel besser als die alte Sabine doch die neue Anne gewesen sei.

Da war wohl bei manchem Kommentator der Wunsch Vater des Gedankens. Denn Anne Will präsentierte ihre erste Sendung recht nervös, ohne den ihr eigenen Witz und ließ sich von den Herren Politikern auch manchmal vorführen (SPD-Beck: „Wo haben Sie das her, dass ich gegen den Mindestlohn war? Stimmt doch überhaupt nicht!“ Anne Will: Schweigen). Auch die „grandiose Quote“ von fünf Millionen Zuschauern (davon 80 Prozent weit über 50) muss man relativieren: Von anfänglich fast sechs Millionen Zuschauern waren am Schluss noch knappe 3,7 Millionen dran. Kein Wunder, hatten die ARD-Verantwortlichen der armen Anne Will doch das Langweiler-Thema „Der Wert der Arbeit!“ reingedrückt.

Sehen wir das Ganze doch etwas unverkrampft: Sabine Christiansen hat mit Verve und Humor den Sonntagabend-Talk für die ARD erfolgreich etabliert – erfolgreicher, als das manchen Journalisten lieb war. Und Anne Will wird noch einige Zeit daran arbeiten müssen, eine spannende Sendung hinzubekommen – und zwar mit den Zuschauerquoten, mit denen ihre Vorgängerin glänzen konnte.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Entgegen allem öffentlich-rechtlichen Triumphgeheul gibt es auch erfolgreiche private Informationssendungen. In dieser Woche war „RTL Aktuell“ deutlich vor „heute“ und das „RTL Nachtjournal“ schlug die schwächelnden „Tagesthemen“ (zwei Stunden früher!) sogar bei den absoluten Zuschauerzahlen.

Hans Mahr ist  als Medienberater  unter anderem tätig für die RTL Group und den Formel-1-Fahrer Ralf Schumacher.


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